Was ist Hefe?

 
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 Hefen - kleine Tiere mit Saugrüssel?

So stellte man sich die Hefevergärung früher vor. Justus Liebig beschrieb die Vergärung durch Hefen in den Annalen der Chemie im 19. Jahrhundert noch folgendermaßen:

"Mit Wasser zerteilte Bierhefe löst sich in unendlich kleine Kügelchen auf. Bringt man diese Kügelchen in Zuckerwasser, so entwickeln sich daraus kleine Tiere. Sie besitzen eine Art Saugrüssel, mit dem sie den Zucker aus der Auflösung verschlucken. Die Verdauung ist sogleich und auf das Bestimmteste an der erfolgenden Ausleerung von Exkrementen zu erkennen. Sie entleeren aus dem Darmkanal Weingeist und aus den Harnorganen Kohlensäure. So sieht man also aus dem Anus dieser Tiere unaufhörlich eine spezifisch leichtere Flüssigkeit in die Höhe steigen und aus ihren enorm großen Genitalien spritzt in sehr kurzen Zwischenräumen ein Strom von Kohlensäure."



Eine recht eigenartige Beschreibung des Herrn Liebig und doch hat er nicht in allen Teilen unrecht.
Hefen sind natürlich keine kleinen Tierchen mit Saugrüssel, sie gehören in das Reich der Pilze. 
Sie verwerten aber tatsächlich bestimmte Stoffe zu Kohlensäure und Alkohol. 
Seit Jahrtausenden spielen sie deshalb eine wichtige Rolle in der Nahrungsmitteltechnologie, denn schon seit sehr langer Zeit stellen Menschen Wein und Bier her und backen Brot. Auch wenn die Hefen selbst erst sehr viel später beschrieben wurden und man lange Zeit nicht wußte, welche große Rolle die kleinen Pilze spielten, so sind Hefen schon seit langer Zeit Helfer bei biotechnologischen Prozessen, wie genau das funktioniert, soll in den folgenden Modulen erarbeitet werden.
Hier eine kleine => Übersicht über die Geschichte der Hefen und der Biotechnologie.

Hefe wird den meisten wahrscheinlich in Form eines Würfels Bäckerhefe aus dem Supermarkt bekannt sein, doch Hefen finden sich überall, an den Händen, auf Pflanzen, in Fruchtsaft und so weiter - hier eine => Übersicht, wo sich überall Hefen finden.


Eine weitere Eigenschaft macht sie besonders in der Genetik zu einem interessanten Forschungsobjekt - Hefen sind nämlich Eukaryoten und somit dem Menschen genetisch ähnlicher als klassische Modellorganismen wie Echerichia coli (Darmbakterium) oder C. elegans. 
Dass Hefen Eukaryoten sind, läßt sich erkennen, wenn man sich einmal eine => Hefezelle anschaut.


Die bekanntesten Vertreter der Hefen, die Saccharomycetaceae, zu denen unter anderem auch die uns wohl bekannte Bäckerhefe zählt, lassen sich bei den Schlauchpilzen einordnen.
Daneben gibt es aber auch sogenannte imperfekte Hefen wie zum Beispiel Candida, ein Pilz, der die Hautkrankheit Soor verursacht.

 

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