Muscheln
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Miesmuschel (Mytilus edulis)

10-einzelne Miesmuschel(10)

Als einzige Muschelart, die auf der Wattoberfläche lebt, findet man die Miesmuschel häufig in Bereichen von Prielen, vor allem im Gezeitenbereich nahe der mittleren NW-Linie, auf dem Sandwatt.

Um nicht von der Strömung mitgerissen zu werden, muss sich das Tier festhalten. Mit Hilfe einer Drüse an der Fußbasis bildet die Muschel zugfeste Eiweißfäden, die Byssusfäden, die sie dann mit ihrer

Fußspitze am Untergrund befestigt. Als fester Grund dienen ihr z.B. Steine, Holzpfähle und v.a. ihre eigenen Artgenossen.
Auf diese Art können Muschelbänke mit einer Siedlungsdichte von über 3000 Muscheln/m
2 entstehen.

Die Byssusfäden dienen der Miesmuschel aber auch zur Fortbewegung. Spezielle Muskeln, die Fuß, Byssusdrüse und Schalenklappen miteinander verbinden, ermöglichen eine Art Klimmzug an den Fäden, wenn sich die Muskeln zusammenziehen.
Eine andere Möglichkeit, um ihre Lage zu verändern, hat die Miesmuschel dadurch, dass sie durch Zug auf einzelne Fäden diese zum Zerreißen bringt. Sie wird dann durch die Strömung getragen und heftet einen neuen Byssusfaden an den Untergrund, der dann die neue Position festigt.

 
   11-Miesmuschel mit Byssusfäden(5)
Miesmuschel mit Byssusfäden

Die Miesmuschel gehört - wie alle Muscheln - zu den Strudlern und Filtrierern. Sie besitzt jedoch keine Siphone, da sie auf dem Substrat lebt.
Der Sauerstoff wird über die Kiemen und den Mantel aufgenommen, die Nahrungspartikel werden sortiert. Verdauliches wird in einer Kiemenrinne zum Mund transportiert. Unverdauliches wird durch die Egestionsöffnung als Scheinkot zusammen mit dem Kot abgegeben.

26-Schema der Atmung bei Miesmuscheln(4)
Prinzip der Atmung bei der Miesmuschel
  13-Pumpende Miesmuschel(5)
Pumpende Miesmuscheln

Film zur Kiemenaktivität der Miesmuschel
(9,81 MB)

Film Miesmuschel

 

Die Miesmuschel hat im Laufe der Evolution eine Technik entwickelt, um mit den ständig schwankenden O2-Bedingungen leben zu können.
Bei Ebbe schließt sie ihre Schalenklappen vollständig. Gleichzeitig hält sie Wasser im Mantelraum zurück. Der Stoffwechsel wird drastisch heruntergefahren und die Herzschlagfrequenz wird verlangsamt. Die Zahl der Herzschläge kann dabei von 60 auf 6 Schläge pro Minute reduziert werden. In Extremsituationen kann die Energiegewinnung anaerob erfolgen und der Herzschlag kann sogar ganz eingestellt werden. Dies ist eine Form der Angepasstheit, die sich im Laufe der Evolution entwickelt hat.

Der Miesmuschel kommt im Wattenmeer eine große Bedeutung zu. Dies hat zwei Ursachen:
Zum einen besitzt sie eine enorme Filtrierleistung. Sie pumpt in einer Stunde ca. 1 l Wasser durch ihre Kiemen. Das sind 10 l am Tag. Im Sommerhalbjahr filtrieren die Miesmuscheln zusammen mit den Herzmuscheln das gesamte Wasservolumen des Wattenmeers in ca. acht bis neun Tagen!

Durch ihre Stoffwechselaktivität tragen sie im großen Maße zur Remineralisierung und damit zur Nährstoffanreicherung von z.B. Phosphaten, Ammonium und Nitraten im Wasser bei. Miesmuschelbänke wirken also wie Kläranlagen ohne chemische Reinigungsstufe. Für die Miesmuschel hat dies allerdings auch Nachteile. Durch das Filtrieren nehmen sie nicht nur Nahrung und Sauerstoff, sondern auch gefährliche Giftstoffe, wie z.B. Schwermetalle und organische Gifte auf.

Der zweite Grund für die große Bedeutung der Miesmuschelbänke für das Wattenmeer liegt in ihrer Funktion als Lebensraum und Nahrungsquelle für etwa 50 andere Tier- und 15 Algenarten.
Die Miesmuschelbank gehört zu den produktivsten Biotopen mit großem Artenreichtum. Man nennt dies Biodiversität.

Auf den Muscheln siedeln Seepocken, Meersalat und eine blasenlose Form des Blasentangs. In und auf dem durch die Miesmuscheln gebildeten Sediment leben Schlickkrebse und Borstenwürmer. Diese Lebewesen bilden u.a. zusammen die Meiofauna. Auf dem Boden und den Muschelschalen lebende Kieselalgen und Detritus werden von Käfer- und Strandschnecken abgeweidet. Kleiner Bewohner, wie der Flohkrebs und die Meerassel sind da nicht so wählerisch. Sie fressen alles, was ihnen in die Quere kommt (Omnivorie).

Die Miesmuscheln selbst dienen mehreren Arten als Nahrungsquelle. Sie stehen bei Strandkrabben, Seesternen und zahllosen Vögeln, z.B. Austernfischern, Silbermöwen, und vor allem bei Eiderenten ganz oben auf der Speisekarte.

Viele Fische, wie junge Schollen, Aale, Butterfische und Grundeln finden in Miesmuschelbänken ebenfalls Nahrung und Schutz.
  12-fressender Seestern(4)
Seestern, der eine Miesmuschel frisst

AUFGABE:
Beschreiben Sie die Bedeutung der Fortbewegung für die Miesmuschel! Was würde passieren, wäre die Miesmuschel nicht in der Lage ihre Position zu verändern?

AUFGABE:
Versuchen Sie anhand des Textes ein Nahrungsnetz zu erstellen. Kann man eine Miesmuschelbank als eigenes Ökosystem bezeichnen? Begründen Sie ihre Behauptung!