Asperula odorata, syn. Galium odoratum L.

Fam. Rubiaceae, Ord. Gentianales

WALDMEISTER (LABKRAUT)

engl. woodruffasperule, sweet woodruff frz. aspérule odorante, petit muguet

Waldmeister

BAU & EIGENSCHAFTEN

Der Waldmeister gehört zur Familie der Rubiaceae oder Rötegewächse. Die 10 bis 60 cm hohe Pflanze ist ausdauernd und kommt in schattigen Wäldern, vor allem in Buchenwäldern von der Ebene bis in den Voralpen vor. Die lanzettlichen, stachelspitzigen Blätter sind zu sechs bis acht quirlig angeordnet, während die Blüten eine endständige, reich verzweigte, lockere Trugdolde bilden. Im April bis Mai kommen dann die kleinen, weißen, protandrischen Blüten, die von Bienen und manchem Spannerarten (Geometridae) befruchtet werden, zum Vorschein. Bei protandrischen Blüten sind die Staubgefäße vor den Fruchtblättern ausgereift, was die Selbstbestäubung verhindert. Aus der befruchteten Blüte entstehen kleine Klettfrüchte, die kugelig und mit hakigen Borsten besetzt sind. Waldmeister kann sich vegetativ durch Ausläufer fortpflanzen. Die Pflanze ist ein Frostkeimer und kommt deshalb nur in gemäßigten und kühlen Zonen vor.

INHALTSSTOFFE, VERWENDUNG & TOXIKOLOGIE

Den spezifische Geschmack und Geruch verdankt der Waldmeister dem Cumarin, das beim Trocknen der Pflanze durch die Abspaltung des Zuckerrests von Cumaringlykosid entsteht. Bei gesunden Menschen ist ein Genuss von ca. 3 Gramm unbedenklich, eine zu große Menge kann jedoch zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen. Cumarin dient in der Pharmazie und Parfumindustrie als Geschmacks- und Geruchsstoff; Derivate des Cumarins sind fluoreszierende Farbstoffe, die im Labor als Marker und für Farbstofflaser verwendet werden.
Waldmeister hat heute nur noch wenig Bedeutung als Würzpflanze. Die Heilkünstler des Mittelalters nennen ihn als herzstärkendes und schweißtreibendes Mittel und gegen Leberleiden und Gelbsucht.
Die Herstellung der Maibowle stammt aus den weinbautreibenden Gegenden Mitteleuropas. Zum ersten Mal wird der Waldmeister in diesem Zusammenhang im Jahre 854 von einem Benediktinermönch aus der Eifelstadt Prünn erwähnt.

ANBAU UND ERNTE

Waldmeister ist relativ schwer anzubauen, da er ein Frostkeimer ist und seine Samen Episoden niedriger Temperaturen zum Keimen brauchen. Deshalb wird er für den kommerziellen und privaten Gebrauch wild gesammelt. Geerntet wird das Kraut vor der Blüte, die im Mai und Juni zu sehen ist und dann getrocknet, damit es als Gewürz gebraucht werden kann. Für den Anbau braucht die Pflanze nährstoffreiche, feuchte Bedingungen im Schatten oder Halbschatten. Man kann ihn im Garten gut in einer dunklen Ecke unter Bäumen anpflanzen.