Vom Mittelalter in die Neuzeit

Zur Zeit Kaiser Karls des Großen (um 768) erfolgte die Versorgung mit Bier noch durch Pfalzen, in denen es Brauereien gab. Die Klosterbrauereien galten zu dieser Zeit noch als neumodische Einrichtung.
Eine der ersten Klosterbrauereien gab es wahrscheinlich im Kloster Columban, welches ein irischer Missionar im 7. Jahrhundert am Bodensee begründete.
Bier war für die Mönche, die sich an die Fastenzeit halten mußten, eine sehr nützliche Erfindung, denn "Flüssiges bricht Fasten nicht" - so konnten sie wenigstens Bier konsumieren. Dennoch hatte der Spruch nur bedingte Anwendbarkeit, denn das damalige Bier der Mönche war alles andere als wirklich flüssig, es war sehr gehaltvoll.
Dennoch war das Klosterbier qualitativ hoch und günstig, denn die Kirche besaß zu dieser Zeit große landwirtschaftliche Flächen und in den Klöstern gab es belesene Wissenschaftler, die sich zu Spezialisten in der Bierherstellung entwickelten.
Die Bierabmessung im Kloster betrug für jeden Mönch 5 Maß pro Tag, wobei 1 Maß in etwa 1-2 Liter entsprach, der Bierkonsum war also gewaltig.
Ganz im Gegensatz zum Bier der Mönche war das außerhalb der Klostermauern gebraute Bier teils von abenteuerlicher Zusammensetzung, so verwendete man Eierschalen, Tannenzapfen oder Ochsengalle als Würzmittel. Gelang das Bier nicht so wie gewollt, wurden die "Bierhexen" dafür zur Verantwortung gezogen. Damals war ja noch nicht bekannt, welche Rolle die Hefe bei der Gärung spielte.
Zwischenzeitlich wurde auf dem Konzil zu Aachen 817 über ein Verbot des heidnischen Trankes diskutiert, als Heiltrank deklariert wurde es dann aber doch nicht abgeschafft.
Das Klosterbier wurde immer weiter verbessert, um 1150 wurde in Weihenstephan Hopfen zugegeben. Heute befindet sich dort übrigens die Fakultät für Brauwesen der Münchener Universität.
Die Klöster gaben das Bier an Bedürftige ab, begannen aber bald auch damit, Bier für Geld zu veräußern. Hierbei traten sie in Konkurrenz mit anderen Städten, vor allem den Städten der Hanse, denn Klöster, die das Braurecht besaßen hatten eigenes Getreide, kostenlose Arbeitskräfte, zahlten keine Steuern und waren auch nie von einem Brauverbot wegen schlechter Ernte betroffen.
Im Zuge der Reformation kam es dann zu einer Auflösung der Klöster, die Brauereien befinden sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts hauptsächlich in weltlichem Besitz.
Heute sind nur noch wenige echte Kosterbrauereien erhalten, unter anderem die Brauerei des Klosters Ettal.
Einen wichtigen Beitrag für die moderne Bierbrauerei leistete Carl von Linde, ein Maschinenbauingenieur, der 1876 eine Methode zur Erzeugung künstlicher Kälte (Kühlmaschine) entwickelte.

Das deutsche Reinheitsgebot
 Über die abenteuerlichen Zutaten wurde bereits oben berichtet. Die Beimischungen nahmen zum Teil gefährliche Ausmaße an, was den bayrischen Herzog Wilhelm IV im Jahr 1516 dazu veranlasste das "deutsche Reinheitsgebot" zu verfassen, was die genauen Zutaten für die Bierherstellung festsetzte, nämlich Wasser, Hopfen und Gerste. Die Hefe tauchte in diesem Zusammenhang noch nicht auf, da ihre Wirkung im Zusammenhang mit der Bierherstellung noch nicht bekannt war. Später wurde das Reinheitsgebot dahingehend verändert.
Das Reinheitsgebot gilt bis heute für die deutschen Biere, bis in die 80er war es sogar verboten, Importbiere, die nach einem anderen Rezept gebraut worden waren, in Deutschland unter dem Namen "Bier" zu veräußern, diese Bestimmung wurde allerdings im Rahmen der EWG-Verordnung aufgehoben.
 

hier geht's zum Originaltext des deutschen Reinheitsgebotes von 1516

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