Hefe lässt sich wirklich bombig einsetzen
-  Glycerinproduktion -
 

Carl Neuberg um 1950
Quelle: www.amphilsoc.org/ library/mole/n/neuberg.htm

Der Herr auf der linken Seite war zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein bedeutender Chemiker, der nicht unmaßgeblich an der deutschen Kriegsaufrüstung im 1. Weltkrieg beteiligt war.
Er hatte nämlich ein Verfahren entwickelt, um aus Zucker durch Fermentation Glycerin (oder Glycerol) herzustellen.

Dieses Glycerin wurde dann dazu verwendet Nitroglycerin herzustellen. Alfred Nobel gelang es später den Sprengstoff zu verbessern, indem er es in Kieselgur einlagerte - das entstehende Produkt war Dynamit.

 

Schauen wir uns doch einmal an, wie die Glycerinherstellung durch Neuberg funktionierte.

 

 

Neuberg wies nach, daß Pyruvat von Hefe vergoren wird. Diesen Prozeß kennen Sie als alkoholische Gärung und sie wissen sicher auch, dass als Intermediärprodukt Ethanal (Acetaldehyd) auftritt.

Das Aldehyd konnte er durch Zugabe von Hydrogensulfit abfangen, es fiel dabei aus, konnte also nicht den Wasserstoff des NADH2 aufnehmen, was ja in der alkoholischen Gärung die Hauptaufgabe des Acetaldehyds ist. Stattdessen wurde der Wasserstoff auf Dihydroxyacetonphosphat* übertragen. Dieses wurde dann zu Glycerin-3-Phosphat umgewandelt und anschließend dephosphoryliert. Das neue Produkt, das entstand war Glycerin. Ethanol und CO2 entstanden dafür in geringeren Mengen.

Die von Neuberg erforschte Form der Vergärung wurde ihm zu Ehren 2. Neuberg'sche Gärungsform** genannt.

 

C6H12O6 + NaHSO3

  Glucose + Natriumhydrogensulfit

 

C3H5(OH)3+CH3CHOHSO3Na + CO2 

 Glycerin + Natriumacetaldehydsulfit+ Kohlendioxid

 

  *) Vielleicht erinnern sie sich, das Dihydroxyacetonphosphat entstand in der Glycolyse gleichzeitig mit Glycerinaldehyd-3-Phosphat!
**) Die 'normale', alkoholische Gärung bezeichnete er als 1. Neuberg'sche Vergärungsform und eine Glycerinherstellung durch Zusatz von Alkali als 3. Neuberg'sche Vergärungsform.