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Gemeine Seepocke (Semibalanus balanoides)

38-Seepocken(18)

Seepocken gehören im Unterstamm der Crustacea einer eigenen Klasse der Rankenfüßer (Cirripedia) an. Sie sind sessile, mit dem Untergrund fest verwachsene, niedere Krebse, deren Körperbau aufgrund ihrer Lebensweise stark abgewandelt ist.

Mit einem gewissen Alter sucht die planktonisch lebende Larve einen geeigneten, festen Untergrund, auf dem sie sich "niederlassen" kann. An diesem Ort muss eine bestimmte Strömung herrschen und andere Seepocken sollten dort schon angesiedelt sein. Oft sind das Schneckenhäuser, Krebspanzer oder Miesmuschelschalen, da hier die Nahrungszufuhr und die Strömungsbedingungen gesichert sind.
Dann wächst die Larve mit ihrem Hinterkopf fest und entwickelt sich weiter zur Seepocke. Dabei scheidet sie nach außen sechs Kalkplatten ab, die ein kegelförmiges Gehäuse bilden. Zwei weitere Platten bilden den Deckel, mit dem die Seepocke ihr Gehäuse zum Schutz vor Austrocknung verschließen kann.
   34-Seepockenzeichnung(19)
Seepocke in halbgeöffnetem Gehäuse

Wie alle Krebse müssen sich auch Seepocken häuten. Sie besitzen jedoch nur eine dünne Haut, da sie durch ihr Kalkgehäuse geschützt sind. Dieses wächst dann quasi mit, indem die Kalkplatten in einem komplizierten Verfahren vergrößert werden.

73-Seepocken beim Nahrungsfang(5)
Seepocken beim Nahrungsfang
Ihre Füße sind zu Rankenfüßen umgebildet und mit feinen Borsten besetzt. Bei Flut streckt sie ihre Beine aus dem Gehäuse und filtert so Plankton aus dem Wasser. Kleine Nahrungspartikel bleiben in der durch die vielen Borsten gebildeten Fangreuse hängen. Dieses "Netz" weist eine Maschenweite von nur 0,033 mm bis sogar nur 0,001 mm auf. Durch das regelmäßige Schlagen der Beine entsteht ein Wasserstrom zum Mund, so dass die Nahrung direkt aufgenommen werden kann.

Durch die Reduktion des Abdomen fehlen den Seepocken Herz und Arterien. Die Blutzirkulation in den Hohlräumen des Körpers wird durch die Muskulatur erzeugt. Durch Bewegungen der Rankenfüße beim Fangen wird das Blut durch den Körper gepumpt. Diese Fangbewegungen können auch bei ruhenden Tieren beobachtet werden, da dadurch das Atemwasser erneuert und die Blutzirkulation aufrecht erhalten werden muss.

74-freie Seepocke "freie" Seepocke

Seepocken besitzen keine Kiemen. Sie betreiben den Gasaustausch über dünne Innenwände des Mantels, der den ganzen Körper umgibt. Durch die Fangbewegungen wird das Wasser im Gehäuse ständig erneuert, so dass immer frisches Atemwasser vorhanden ist.
Bei Ebbe verschließen die Seepocken ihr Gehäuse und behalten einen kleinen Wasservorrat zurück. Durch einen kleinen Spalt kann dann der Sauerstoff über die Atmosphäre ins Wasser diffundieren. Wird die Hitze zu intensiv, schließen sie diese kleine Öffnung komplett und können dann mehrere Stunden ausharren.

Seepocken sind Zwitter. Dies ist wahrscheinlich eine Eigenschaft, die die Tiere sekundär im Laufe ihrer Evolution zur Sesshaftigkeit erworben haben. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass eine Befruchtung, rein örtlich gesehen, überhaupt Erfolg haben kann. Die Individuen sitzen deshalb dicht an dicht auf dem Untergrund. So kann der ausstülpbare Penis in die Mantelhöhle des Nachbartieres eindringen und hier die Eier befruchten, die bis zum Schlüpfen der Larven hierin verweilen. Durch die Zweigeschlechtlichkeit ist der Erfolg der inneren Befruchtung und damit das Fortbestehen der Art gesichert.

 

Film über die Seepocken
(6,91 MB)

Film Seepocken(26)

 

33-Seepocken-Comic