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Wärme macht Zwerge ?

Buschschwanzratten passen sich wechselnden Klimabedingungen zügig an, wie Analysen jahrtausende alten Kots belegen

JPG-Bushy-tailed Woodrat


Anhand fossiler Exkrementreste haben Wissenschaftler nachgewiesen, daß die Buschschwanzratte seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor 18000 Jahren bis heute 20 bis 25 Prozent ihres Körpergewichtes verloren hat. Die Forscher interpretieren das als Folge einer seitherigen Erwärmung des Klimas. Schon 1847 hatte der Göttinger Anatom und Physiologe Carl Bergmann seine Erkenntnis publiziert, daß Tiere derselben Art oder derselben Familie in kälteren Gefilden größer werden als in gemäßigten und heißen Klimazonen. Bergmanns Begründung: Wegen ihrer im Verhältnis zum Volumen geringeren Oberfläche verlieren Größere deutlich weniger Wärme. Mit 1,20 Meter werden die Kaiserpinguine der Antarktis zum Beispiel mehr als doppelt so groß wie die Galapagos-Pinguine am Äquator.

 

Evolutionsbiologen fragen sich heute, wie lokale Gruppen von Tieren und Pflanzen auf größere Klimaschwankungen reagieren. Wandern sie ab in Regionen mit "ihrem" bevorzugten Klima? Oder bleiben einige, dem Klima angepaßte, Gruppen ortstreu?

Um solch eine "Mikroevolution" nachzuweisen, scheint die Buschschwanzratte besonders gut geeignet zu sein: Ihre Generationenfolge ist überaus kurz, und sie hat, weil sie die größte aller Buschschwanzratten ist, besonders viel Gewicht zu verlieren. Ihr Verbreitungsgebiet reicht heute vom Süden Kanadas bis in die Bergregionen von New Mexico und Arizona. Hier - im Südwesten Nordamerikas - haben die Forscher intensiv nach fossilen Exkrementen gefahndet, die sich für den Nachweis einer Mikroevolution anbieten, weil:

  1. es nachweislich einen engen Zusammenhang zwischen Körpermaß und Größe der Kotpillen gibt;
  2. im Schutze von Höhlen und Felsnischen diese "Hinterlassenschaften" über Jahrtausende hinweg so gut konserviert worden sind, daß sie sogar Genanalysen erlauben;
  3. die Ratte pflanzliche Kost bevorzugt, deren unverdauliche Reste eine relativ genaue Datierung auf 50 bis 100 Jahre ermöglichen.

Tatsächlich entsprechen die Größen der Buschschwanzratte dem Temperaturverlauf. Exkrementreste aus einer Höhle in Utah deuten darauf hin, daß die Buschschwanzratte zu Beginn der Zwischeneiszeit vor 14000 Jahren noch gut 400 Gramm gewogen hatte. Zur wärmsten Zeit, 8000 Jahre später, brachte sie es nur noch auf knapp 300 Gramm.

JPG-Bushy-tailed Woodrat Habitat

Buschschwanzratten bevorzugen ziemlich rauhe Gegenden, mit Sandstein oder Felsvorsprüngen. Hier: in North Dakota.

Zusatz: Die Bergmannsche Regel kann auch bei der Körpergröße von Silbermöwen aus unterschiedlichen Populationen (engl.) angewendet werden.

 

Aufgaben:


Analysieren Sie die Bergmann'sche Regel hinsichtlich der Komplexität ihrer Aussage, betrachten Sie die hier und in den Internet-Links gezeigten Beispiele und beantworten Sie folgende Fragen:

1. Welche Veränderungen in der Umgebung der Buschschwanzratte, außer der des Klimas, könnten eine Veränderung der durchschnittlichen Körpergröße der Tiere bewirken?

2. Welche Faktoren müssen unbedingt vorher geklärt sein, wenn man Größenunterschiede innerhalb einer Art vergleicht und mit der Bergmann'schen Regel begründet?

3. Ist es sinnvoll, Größenunterschiede von Tieren verschiedener Arten mit Hilfe der Bergmann'schen Regel zu begründen?


Diese veränderte Version wurde entnommen aus:
GEO MAGAZIN
Nr. 04/April 1996
(S. 180)

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