Fridays For Future in Zeiten von Corona – Was die Pandemie für unsere Forschung bedeutet

von Viktor Burgi

Der erste Workshop im April. Eine große Auftaktveranstaltung im August. Innovativ, als Barcamp. Gemeinsam mit den Bürger*innen Ideen für die Forschung entwickeln.

So hatten wir uns den Start unseres Citizen-Science-Projekts vorgestellt. Dann kam Corona, wir mussten die ganze Planung verändern und haben uns auf die Suche nach Antworten auf eine zentrale Frage gemacht:

Wie verändert die Corona-Pandemie Fridays For Future?

Klar wurde schon mal eins: Fridays For Future hat schnell auf Corona reagiert. Bereits Mitte März sagten sie alle Demonstrationen bis auf weiteres ab. Diese sind für Fridays For Future jedoch von entscheidender Bedeutung. Denn eine soziale Bewegung ist darauf angewiesen, dass sie über ihre Proteste mediale Aufmerksamkeit bekommt und darüber die Politik beeinflussen kann. Aber es stellten sich zwei Probleme: Zum einen durften die Aktivist*innen nicht mehr demonstrieren, zum anderen war das Virus in den Medien plötzlich wichtiger als der Klimawandel. Die Corona-Pandemie stellte und stellt also eine große Herausforderung für Fridays For Future dar.

Schilder von Demonstrant*innen vor dem Bundestag: Eine Protestaktion von Fridays For Future während der Pandemie. Foto: Campact, Klimastreik_20-04-24_9, CC BY-NC 2.0

Diese Auswirkungen von Covid-19 interessieren uns aus sozialwissenschaftlicher Sicht. Daher haben wir im Mai eine Erhebung gestartet. Wir wollten wissen, inwiefern sich die Arbeit der Aktivist*innen vor und während der Pandemie unterscheidet. Denn eines ist klar: Eine Demonstration mit beschränkter Teilnehmerzahl, Mundschutz, Hygieneregeln und Abstandskontrolle ist eine stark eingeschränkte Demonstration – wenn sie überhaupt stattfinden kann. Welche alternativen Protestmethoden würde die Jugendbewegung also wählen? Oder würde Fridays For Future den Protest vorübergehend komplett einstellen?

Eine weitere Frage, die uns interessierte, war die nach der internen Organisation. Wie kommuniziert und organisiert sich eine Ortsgruppe unter diesen Umständen? In Düsseldorf gab es wöchentlich eine Vollversammlung der Ortsgruppe. Welchen Ausweichkanal kann die Bewegung jetzt nutzen? Diesen Punkten sind wir mit unserer Erhebung nachgegangen.

Einbeziehen der Aktivist*innen in den Forschungsprozess

Zwar konnten wir die Aktivist*innen der Düsseldorfer Fridays For Future-Bewegung nicht direkt in unseren Workshops befragen, aber sie waren im Sinne des Citizen Science-Ansatzes involviert. Als wir einen ersten Entwurf des Fragebogens erstellt hatten, haben wir diesen mit unseren Mitforschenden geteilt. Sie haben uns mit wertvollen Anmerkungen geholfen und den Fragebogen an einigen Stellen präzisiert. Hier zeigt sich auch eine Stärke der Citizen Science, also Bürgerwissenschaft: Was wir als Forscher*innen nicht (mehr) sehen, fällt den Aktivist*innen auf. Sie wissen genauer, welche Protestformen während der Pandemie angewendet wurden und zwischen welchen Online-Aktivitäten die Bewegung unterscheidet.

Um die finalen Fragen zu beantworten, mussten wir engagierte Aktivist*innen erreichen, die die Situation vor und während der Pandemie tatsächlich einschätzen konnten. Daher haben wir den Link zur Umfrage innerhalb der Orts- und Arbeitsgruppen von Fridays For Future gestreut. Auf diese Weise haben 103 Personen (wir sagen: n=103) in ganz Deutschland teilgenommen. Jetzt arbeiten wir an der Datenauswertung. Es hat bereits vielversprechend angefangen. Erste Ergebnisse gibt es dann in den nächsten Wochen hier auf dem Blog – bleibt dran!

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