Was macht eigentlich die Opposition? Studierende informieren

von Maike Billen

Lehren und Lernen – das geht auf so vielen verschiedenen Wegen. Als ich das Seminar „Zur Rolle der Opposition in Demokratien“ (Wintersemester 2020/2021) plante, musste ich mich entscheiden: Einerseits, wie ich die Inhalte in einem weiteren digitalen Corona-Semester vermitteln werde. Andererseits, welchen Beteiligungsnachweis die Studierenden zu erbringen haben. Für mich war klar: Ich wollte, dass die Studierenden unterschiedliche Methoden kennenlernen, also Abwechslung und Interessen fördern. Ich wollte keinen Leistungsnachweis verlangen, der auf irgendeinem Laufwerk „verstaubt“. Die Studierenden sollten etwas schaffen, das man nach außen tragen würde.

Am Ende lautete die Aufgabe, den Gegenstand parlamentarische Opposition – genauer deren Funktionen, Instrumente und Aktivitäten – systematisch, verständlich und interessant, mithin fachlich solide aber zugleich zugänglich aufzubereiten; und zwar nicht nur für sich, die anderen Teilnehmenden und die Dozentin, sondern grundsätzlich auch für einen größeren Kreis an Adressat*innen. Die Studierenden – aus den Sozial- und Politikwissenschaften – durften zwischen diesen Darstellungsformen wählen: Spicker, Podcast, Lernvideo, Sketchnotes, Concept Map.

Herausgekommen ist eine Bandbreite kleinerer Projekte, die Grundwissen zur Rolle der Opposition und/oder Denkanstöße dazu geben. Nicht erst seit Corona, aber seitdem umso mehr, gilt, dass Oppositionsparteien oft im Schatten der Regierung stehen – allerdings zu Unrecht, spielen sie doch einen wichtigen Part für eine lebendige repräsentative Demokratie. Aber lest, hört und guckt selbst. Ich wünsche viele kurzweilige Aha-Momente!

Spicker – zum Lernen, nicht Schummeln

Als Vorlage für eine unserer Darstellungsformen diente die Spicker-Reihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Es handelt sich um 1 x DIN-A4-Seite kompakter Infos zu einem Thema, die zu einem achtseitigen Spicker-Büchlein gefaltet wird. Diese Spicker haben anders als üblich nicht den Zweck, als unzulässiges Hilfsmittel in Prüfungen eingesetzt zu werden, sondern als Lernmittel vorab oder als Info-Quelle unabhängig vom Uni-Kontext. Eine Ausgabe zur parlamentarischen Opposition fehlte bislang. Das erste Ergebnis dazu ist von Luisa Deiana und Leonie Leßmann. Ihr könnt es euch direkt im Folgenden herunterladen. Eine Anleitung zum Falten findet ihr unter: Spicker-Faltanleitung (bpb). Wer neugierig geworden ist, entdeckt hier weitere Spicker.

Podcast – vom Skript zum Schnitt

Der Podcast-Markt boomt. Gefühlt gibt es zu jedem Thema ein Angebot und eine Nachfrage. Die einen Formate setzen mehr auf Unterhaltung, die anderen auf Information & Diskussion. Zu letzterem zählen die drei Einzelfolgen, welche die Seminarteilnehmenden vom Skript bis zum Schnitt eigenständig produziert haben. Jedes Team entschied frei, worüber es sprechen und wie es den Podcast aufziehen wollte. Alle Projekte findet ihr hier und die Folge von „OMG! Opposition, Meinung & Gesellschaft“ der Studierenden Lea Hoffmeister und Yasin Rezgui könnt ihr euch gleich anhören.

OMG! Opposition, Meinung & Gesellschaft
Corona, Corona, Corona – kein Thema ist allgegenwärtiger. Seit über einem Jahr schon bestimmt die Pandemie die Politik und die Medien. Vor allem die Regierung steht unter einem hohen Handlungsdruck. Doch welche Rolle nimmt die Opposition in dieser Lage ein? In der ersten Folge unseres Podcasts ziehen wir eine Zwischenbilanz. Wir, das sind Lea Hoffmeister und Yasin Rezgui.

Hinweis: Aus Platzgründen werden die verwendeten Quellen hier separat bereitgestellt.

Lernvideo – Wissenschaft anschaulich vermitteln

Viele wissenschaftliche Themen sind so komplex, dass es unmöglich scheint, sie mit einfachen Worten und in nur 5-10 Minuten zu erklären. Überhaupt kann man alles komplex machen und es dann Wissenschaft nennen. Man kann es aber auch andersherum machen: Komplexität reduzieren, ohne unwissenschaftlich zu werden. Darum ging es den Studierenden bei der Entwicklung von insgesamt drei Lernvideos. In dem ersten Video – erstellt von Calvin Bayer mit der Software VideoScribe – erfahrt ihr mehr über Aktuelle Stunden im Deutschen Bundestag. Alle Video-Produktionen findet ihr hier.

Sketchnotes – mehr als Kritzeln

Sketchnotes sind visuelle Notizen, bei denen Text, Zeichnungen, Formen, Grafiken, Linien… kombiniert werden, um größere Gedankengänge zu illustrieren – seien es Vorträge von Professor*innen, Kernpunkte eines Seminartextes oder Schritte eines Kochrezeptes. Es gibt zahlreiche Tutorials und Materialtipps. Aber spannend ist, wie viele individuelle Stile möglich sind. Das zeigen auch die Ergebnisse von Tobia Kalthegener zum Thema „effektive Opposition“ und von Maria Valdman zum Thema „Agenda Politics“ – inklusive Lesehilfe als Text oder Audio. Zudem könnt ihr euch Sketchnotes aus der Lehrveranstaltung ansehen (Sitzung „Definitionen & Funktionen politischer Opposition“). Für einen besseren Überblick ist das Material teils hierhin ausgelagert.

Maria Valdman hat in ihren Sketchnotes das Konzept „Agenda Politics“ aufbereitet. Gemeint ist der Entstehungs- und Selektionsprozess einer Tagesordnung in Parlamenten. Weitere Erläuterungen erhaltet ihr im Audio.
Sketchnotes aus der Lehre

Concept Maps – oder: PoWis, die kartografieren

Concept Maps, auch Begriffs-/Gedankenlandkarten, sind ein Instrument zur Visualisierung von Inhalten und deren Zusammenhängen. Am besten startet ihr mit einer Leitfrage und brecht das Wesentliche dann auf wenige, prägnante Begriffe herunter. Nach einem üblichen, schlicht gehaltenen Schema werden die zentralen Begriffe in Rechtecke oder Kreise platziert; Pfeile und Beschriftungen symbolisieren die Art der Beziehung. Der Einsatz ist breit möglich. Im Folgenden hat Vedat Bayramogullari den Theorieteil eines Fachartikels aufbereitet. Die Lesehilfe gibt es hier.

Concept Map „Kleine Anfragen“ von Vedat Bayramogullari
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