Reden ist Silber, Schweigen ist Gold: Klimakommunikation online – Nutzen oder vergebliche Liebesmüh?

von Gabriel Marius Dalibot, Aurelius Nowitzky, Rika Cruciger und Natascha Radtke

„Ey, hast du schon das neue Video von MaiLab zu Corona gesehen?“ – „Ne, noch nicht. Hab mir das aktuelle Video von Harald Lesch zur Klimakrise reingezogen. Schon krass, was da passiert.“ Solche oder  ähnliche Gespräche kennen womöglich viele von uns. Die übergeordnete Bedeutung von angemessener Kommunikation im Internet über wissenschaftliche Erkenntnisse hat spätestens seit Corona zugenommen. Wir – also die Öffentlichkeit – bewegen uns immer mehr im digitalen Raum, um uns beispielsweise Informationen über das Thema Klima an sich oder angekündigte Aktionen von Fridays for Future zu beschaffen. Mit der Rezeption von klimarelevanten Nachrichten in den Leitmedien, Videos von Wissenschaftskommunikator:innen oder aktuellen Partizipationsmöglichkeiten erweitern wir unser allgemeines Wissen zum Thema Klima.

Nutzen und Einfluss von sozialen Medien

Doch welche Akteure spielen bei der Klimakommunikation im Online-Raum eine Rolle und wie nutzen sie soziale Medien? Als erstes fallen uns hier sicherlich (Klima-)Wissenschaftler:innen ein, die soziale Medien sowohl professionell als auch privat nutzen. Im Vordergrund steht hierbei die Vermittlung von Wissen und der Informationsaustausch sowie öffentliche Teilhabe und Vernetzung. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin, tritt online einerseits als bekanntes Gesicht von „Scientists for Future“ auf. Andererseits bieten ihm soziale Medien die Möglichkeit privat an öffentlichen Diskussionen teilzunehmen und so mit anderen User:innen in einen direkten Informationsaustausch zu treten.

Als wichtige Personen in der Klimakommunikation sind zudem Journalist:innen von Nachrichtenmedien als Akteur:innen der digitalen Klimakommunikation zu nennen. Da in den sozialen Medien ein direkter Informationsaustausch zwischen den User:innen möglich ist, füllen nicht mehr ausschließlich Journalist:innen die Rolle als Vermittler:innen von Informationen – sogenannte “Gatekeeper“ –  von gesellschaftlich relevanten Themen aus. Soziale Medien bieten Journalist:innen die Möglichkeit der öffentlichen Teilhabe an Diskussionen und dienen der Informationsbeschaffung.

Für Politiker:innen hingegen stellen soziale Medien eine Plattform dar, auf der sie Öffentlichkeitsarbeit betreiben und vor allem in Krisenzeiten ihr politisches Handeln legitimieren können. Es ist demzufolge zu erwarten, dass angesichts der Zuspitzung der Klimakrise, die Bedeutung von Politiker:innen als gesellschaftliche Entscheidungsträger:innen an Relevanz in der (digitalen) Klimakommunikation gewinnen.

NGOs, Gewinner der Online-Kommunikation

Online haben NGOs die Möglichkeit viele Menschen zu erreichen. Sie nutzen die Plattformen, um Informationen zu teilen und weitere Menschen zu mobilisieren. Der große Vorteil: Es kostet fast nichts.

Fridays for Future ist zwar keine NGO, doch nimmt die Bewegung im Internet und vor allem in den sozialen Medien eine sehr ähnliche Rolle ein. Denn: Online stellt sie einen wesentlichen Teil der Klimakommunikation dar. Die Organisator:innen und Aktivist:innen posten Instagram Storys zu verschiedenen Klima-Themen, teilen Mobilisierungs-Videos für Klimastreiks auf YouTube und veröffentlichen Analysen zum Koalitionsvertrag. Dabei arbeiten sie auch eng mit den schon genannten Scientist for Future zusammen. Verschwimmt in diesem Fall die Trennlinie zwischen zwei Akteur:innen?

Die Art und Weise, wie Klimakommunikation betrieben wird, hat sich gewandelt. Neue Akteur:innen sind dazu gekommen. Auch Influencer:innen und Youtuber:innen übernehmen mittlerweile eine Rolle in der Wissenschaftskommunikation. Und das teilweise mit sehr großem Erfolg. Wenn Rezo ein neues „Zerstörungsvideo“ ankündigt, bangen die einen und freuen sich die anderen. Klar ist: Das Video wird Einfluss haben, ganz unabhängig von seiner Haarfarbe.  Hier ist sehr wichtig, dass YouTuber wie Rezo oder MaiLab stark auf die wissenschaftliche Legitimität ihrer Produktionen achten. Das ist sicherlich nicht bei allen der Fall.

Denn auch wenn das Internet Vieles ermöglicht, laufen Diskussionen und Informationsaustausch online leider oft nicht faktenorientierter ab. Viele pseudowissenschaftliche Inhalte werden filterlos geteilt, es bilden sich sogenannte Bubbles in denen Menschen nur die Informationen bekommen, die sie in ihrer Meinung bestätigen und wenn Diskussionen zwischen Menschen verschiedener Meinung entstehen, dann selten nach einem deliberativen Ideal, um es vorsichtig auszudrücken. Daher bedarf es einem Bewusstsein sowie einer Auseinandersetzung und Lösungsvorschläge für das Problem. Man könnte beispielsweise die Plattformen und Orte moderieren auf denen online Austausch stattfindet.

Einen eher optimistischen Ansatz bezüglich Kommunikation im Internet findet man in der Connective Action Theorie. Diese reiht sich in die Theorien sozialer Bewegungen ein und geht davon aus, dass Internet und soziale Medien das Konstrukt sozialer Bewegungen verändern werden. Weg von Führungspersönlichkeiten, hin zu einer von vielen organisierten  Online-Bewegung.

Ob das zutrifft? Die Organisation von Fridays for Future basiert sicherlich viel auf Social Media und Internet, doch wie sähe sie ohne Menschen wie Luisa Neubauer oder Carla Reemtsma aus? Wie sieht es in diesem Punkt bei anderen Bewegungen aus? Was meint ihr?

Quellen:

Schäfer, M. (2012). Online communication on climate change and climate poli-tics: A literature review. WIREs Climate Change, 3 (6): 527-543. https://wires.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wcc.191

Soziale Bewegungen erklären – Theorien im Überblick. Available: https://www3.hhu.de/buergeruni/index.php/2020/09/10/soziale-bewegungen-erklaeren-relevante-theorien-im-ueberblick/

https://www.volker-quaschning.de/about/vita/index.php

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