Warum fällt es uns so schwer, klimabewusst zu leben?

Von Robin Lange, Nele Feldhaus, Luisa Deiana, Paula Wiedenfeld, Lars Henrik Gertges und Thomas Karl Gustav Fricke

Kennst du das auch? Nachdem in der Tagesschau erneut über den Klimawandel und die zukünftigen Bedrohungen für die Menschheit berichtet wurde, nimmst du dir vor, das Auto wieder öfter stehenzulassen, weniger Fleisch zu essen, auf Plastik zu verzichten und öfter Second-Hand einzukaufen. Jedoch weißt du gar nicht, wo du anfangen sollst und das Meiste davon scheint nicht ausreichend. In der Theorie klingen diese Dinge nach einem gesunden Lifestyle und einem guten Beitrag zum Klimaschutz. Doch am nächsten Morgen fällt es plötzlich doch viel schwerer, das geplante Vorhaben in die Tat umzusetzen. Für alle, die sich fragen, woran das liegt und welche Rolle die Medien dabei spielen, wird es jetzt interessant. 

Einflussfaktor Massenmedien 

Ein Schritt nach dem anderen: bevor wir unseren Alltag umkrempeln und auf eigene Faust die Welt retten wollen, stellt sich die Frage, woher wir unser gesammeltes Wissen über den Klimawandel beziehen. Die Nummer Eins der Informationsquellen in Deutschland und in vielen anderen Ländern sind die Massenmedien. Hinter diesem sperrigen Begriff verbergen sich reichweitenstarke Fernsehsender, große Zeitungen und seit kurzem auch das Internet. Eine Studie ergab, dass die Bevölkerung beim Thema Klimawandel den Massenmedien mehr Vertrauen entgegenbringt als ihren Familien und Freunden. Unser täglicher Medienkonsum prägt damit maßgeblich, was wir über den Klimawandel wissen und wie wir darüber denken. Und das ist auch gut so, denn nur mithilfe der Medien ist es den Wissenschaftler:innen möglich, ihre Erkenntnisse mit der Allgemeinheit zu teilen und ein Bewusstsein über die prekäre Lage unserer Umwelt zu schaffen. 

Wer kommuniziert hier mit wem? 

Die Frage leitet uns zurück zu dem Thema unserer Blogreihe: Die Klimawandelkommunikation. Abgesehen von Dialogformaten, bei denen Bürger:innen und Wissenschaftler:innen ins Gespräch kommen, geschieht es doch relativ selten, dass wir uns mit einem oder einer Nobelpreisträger:in über die Erforschung des Klimawandels unterhalten. Daher sind mediale Plattformen essentiell, um möglichst viele Menschen zu erreichen und aufzuklären. Wichtig ist dabei, wer über die jeweilige Plattform kommuniziert. 

Allzu häufig stolpert man über einen Gastbeitrag der Klimaaktivistin Luisa Neubauer zur Bedeutsamkeit des 1,5 Grad-Ziels oder über ein Interview mit dem VW-Chef Herbert Diess zur nachhaltigen Autoindustrie der Zukunft. Was zu beachten ist: die Kommunikator:innen wollen auch immer ihre eigenen Botschaften medial an die Konsument:innen vermitteln. Dabei fallen die Aktivist:innen häufig in die Kategorie der `Advokaten für Nachhaltigkeit ́ und die Wirtschaftsvertreter:innen werden schnell mal als `Lobbyist:innen ́ abgestempelt. Für eine gewisse Balance und Vielfalt sorgen wiederum die Journalist:innen, denen im übertragenen Sinne die Rolle der Türsteher:innen, in der Fachsprache auch Gatekeeper genannt, zufällt.

Was auffällig ist: die Mehrheit der Journalist:innen ist sich in Sachen Klimawandel einig – der anthropogene Klimawandel existiert und unsere Lebensweise muss sich verändern! Unterschiede hingegen lassen sich in der Bandbreite der Lösungsansätze feststellen. 

Die Auflösung des Rätsels 

Und damit zurück zu unserer Anfangsfrage: Wenn wir doch so viel über den Klimawandel lesen, hören und sehen, warum fällt es uns so schwer, das Wissen auch in die Tat umzusetzen? Das lässt sich sowohl auf psychologische als auch soziologische Barrieren zurückführen. Es fällt uns von Natur aus schwerer, Vorhaben umzusetzen, deren positive Folgen in ferner Zukunft liegen. Dasselbe gilt für die negativen Konsequenzen unseres Handelns. Der Anreiz, auf das Fahrrad umzusteigen, fällt geringer aus, sobald wir merken, dass wir nicht von heute auf morgen das Klima retten. Im Vergleich zu anderen Ländern verspüren wir in Deutschland noch geringe Konsequenzen/Auswirkungen des Klimawandels. Obwohl sich bereits Wetterereignisse wie lange Trockenheits-, hohe Temperatur- und Starkregenperioden sowie Stürme häufen. Fakt ist: das Ozonloch hat sich auch nicht an einem Tag geschlossen! Unsere fehlenden hellseherischen Fähigkeiten sollten uns jedenfalls nicht daran hindern, einen Beitrag zur Rettung des Planeten zu leisten. Doch bei der Bekämpfung des Klimawandels lässt sich mit gutem Gewissen sagen: jeder Beitrag hilft! 

Quellen:

Schäfer M.S., Bonfadelli H. (2017). Umwelt- und Klimawandelkommunikation. In: Bonfadelli H., Fähnrich B., Lüthje C., Milde J., Rhomberg M., Schäfer M. (eds) Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation. Springer VS, Wiesbad.

DW Deutsch (2013). Angela Merkel – gemeinsame Pressekonferenz mit Barack Obama. Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=2n_-lAf8GB4 [07.12.2021].

Schäfer, M. S. (2012a). Hacktivism? Online-Medien und Social Media als Instrumente der Klimakommunikation zivilgesellschaftlicher Akteure. Forschungsjournal Soziale Bewegungen 2012(2), 68–77. 

Diesen Beitrag teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.