From Zero to Hero – Ist Greta Thunberg eine politische Ikone?

von Noah Bußmann, Lena Harjes, Philipp Kerkes, Lea Minge, Hanna Schneemann und Lea Schnitzler

Heldin, Vorreiterin, Ikone?

Was ist denn überhaupt eine „Ikone“? Ist das nicht sowas wie ein Superstar? Wenn wir das Wort „Ikone“ hören, fällt es uns im ersten Moment schwer die Bedeutung des Wortes zu verstehen. Ein Blick in den Duden der deutschen Sprache kann uns helfen: Eine Ikone wird definiert als Person oder Sache als Verkörperung bestimmter Werte, Vorstellungen oder eines bestimmten Lebensgefühls o. Ä. Wenn wir jetzt über Ikonen nachdenken, dann fallen uns vielleicht Menschen wie Martin Luther King oder sogar Beyoncé ein. Aber würde uns auch Greta Thunberg einfallen?

Greta Thunberg – a global Icon?

Greta startet als Demonstrantin für den Klimawandel im August 2018. Sie hat ihre Demonstrationen allein und ohne Ressourcen auf die Beine gestellt, in den sozialen Medien bekannt gemacht und schnell viel Zuspruch und Unterstützung bekommen. In kürzester Zeit demonstrierten tausende Kinder und Jugendliche freitags mit ihr für das Klima und machten auf der ganzen Welt auf sich aufmerksam. Von Null auf Hundert wurde sie in der ganzen Welt bekannt und kann seitdem durch die sozialen Medien immer mehr junge Menschen mobilisieren. Das bringt nicht nur Zuspruch mit sich, sondern auch viel Kritik. Dass Greta Thunberg Autistin ist, wird immer wieder in den Vordergrund der Kritik geschoben. Ihre Performance ist von Mut und Stärke geprägt, ihr junges Alter steht dazu im Gegensatz. Doch sie macht ihre Schwächen zu ihren Stärken. Sie ist die Stimme einer ganzen Generation und wird auf der ganzen Welt gehört. Das lässt sie schon in ihrem jungen Alter zur Ikone werden.

Ikone dank Publikum?

Ihr politischer Ikonenstatus entsteht aber erst durch das Zusammenspiel von Protagonistin und Publikum. Ihre Leistung bildet ihre Performance. Sie ist geprägt von Mut und Opferbereitschaft, dem unbedingten Willen etwas zu verändern, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen. 

Die Reaktionen ihres Publikums, das über Social Media mit ihr interagiert, bringt die Co-Performance dazu. Ohne diese Resonanz wären Gretas Tweets und Posts nahezu wirkungslos, da kaum jemand sie sehen und darüber sprechen würde. Ihr Publikum verschafft ihr und ihren Themen Aufmerksamkeit und hat entscheidenden Anteil an den Debatten und ihrer Außenwirkung. Es kreiert durch Memes, Gifs, Videos oder Bildcollagen eigene Inhalte, die oftmals durch ihre humoristische, aber auch ernste Art weitere Aufmerksamkeit erregen. Damit basteln sie aktiv am Schöpfungsmythos von Gretas Ikonenstatus. 

Greta als Symbol?

Greta ist laut Aussagen etlicher Klimaaktivist:innen und Protestteilnehmer:innen die mit Abstand wichtigste Inspirationsquelle und das größte Vorbild für den Kampf gegen den Klimawandel.

Gleichzeitig ist sie die Personifizierung dieses Kampfes und damit eine Symbolfigur. Für die Befürworter:innen der Klimabewegung ist sie die Vorreiterin und für die Gegner:innen der Sündenbock für verhasste Maßnahmen. Damit fungiert sie auch als Blitzableiter, der den Hass stellvertretend für die gesamte Bewegung gebündelt abbekommt. Dass sie so offen mit ihrer Asperger-Diagnose, ihrer überwundenen Essstörung und ihren Erfahrungen mit Mobbing umgeht, ist zweifelsfrei mutig und hilfreich für alle, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Ihren Gegnern bietet sie damit jedoch genügend Angriffsfläche, um sie und ihre Themen zu diskreditieren. Für ihre Unterstützer schmälert das jedoch weder ihre Leistung noch ihren Status als politische Ikone im Kampf gegen den Klimawandel.

Aufmerksamkeit

Greta zieht Aufmerksamkeit auf sich und den Klimawandel. Ikonische Persönlichkeiten, wie Sie, können die Prioritäten von Themen in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen beeinflussen und ihre Relevanz auf verschiedenen Kanälen verbreiten. Einen großen Anteil, ihre Botschaften zu übermitteln und gleichzeitig Mitstreiter:innen zu mobilisieren, hat dabei die Social-Media-Ökonomie. Das Zusammenspiel von sozialen und analogen (Massen-)Medien unterstützt darüber hinaus die Etablierung ihres politischen Ikonenstatus, in dem weitere, eher ältere Zielgruppen angesprochen werden. 

Die Mobilisierung der Massen

Die Aufmerksamkeit verschiedener Themen, wie beispielsweise Umwelt und Klima, verschiebt sich von Social Media Posts hin zu Aktionen in der realen Welt. Durch Demonstrationen oder zivilen Ungehorsam erhalten die Massenmedien ein reales Bild, welches sie für ihre Berichterstattung nutzen können. Die Bilder von tausenden Schüler:innen auf der Straße und von bunten, selbstgemalten Pappschildern haben wir wahrscheinlich alle schon gesehen. Erst durch die Mobilisierung der Masse und deren Darstellung in den Medien kann Druck auf politische Entscheider:innen ausgeübt werden. Fridays for Future aber auch andere Bewegungen fungieren als eine Art Bühne, auf welcher die Protagonist:innen als Held:innen agieren und die Massen aktiv bewegen.

Was können wir von Greta lernen?

Zum Thema Klimawandel und Umwelt hat sie einiges beigetragen. Die Themen und Informationen sind nicht neu, allerdings hat sie immer und immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie dringlich die Situation ist und was jede:r Einzelne dazu beitragen kann. Das Thema Klimawandel ist seitdem so groß in der Gesellschaft angekommen wie noch nie. Außerdem können wir uns alle eine Scheibe von ihrem Mut abschneiden. Sie hat sich getraut, als junges Mädchen, der ganzen Kritik zum Trotz, für ihr wichtigstes Thema einzustehen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Inwiefern sie ein Vorbild oder gar eine Ikone sein kann, ist schlussendlich dem Einzelnen überlassen, aber ihren Einsatz für den Klimaschutz und ihre Motivation einen positiven Einfluss zu nehmen, kann man ihr nicht aberkennen.

Quellen:

Olesen, T. (2020). Greta Thunberg’s iconicity: Performance and co-performance in the social media ecology. New Media & Society.

https://www.duden.de/node/69996/revision/541771

Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/european_parliament/49617793533


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