Was bisher geschah …

in Sachen kultureller Teilhabe und Citizen Science

von Christine Stender M.A.


© Christine Stender

Weihnachten ist eine Zeit der Besinnlichkeit, des Zur-Ruhe-Kommens und des Beieinanderseins – in unserem Forschungsprojekt „Kulturelle Teilhabe & Citizen Science“ stimmt zumindest der letzte Punkt: Am 20. Dezember trafen sich Ehrenamtliche aus zehn Kulturinitiativen aus ganz Deutschland, um gemeinsam mit mir, Christine Stender, einer Nachwuchswissenschaftlerin aus Düsseldorf, über kulturelle Teilhabe zu sprechen. Und darüber, was die Wissenschaft tun kann, um einen Beitrag zur Stärkung kultureller Teilhabe zu leisten.

Dass es eine große Lücke zwischen den praktischen Erfahrungen der Initiativen vor Ort und dem wissenschaftlichen Forschungsstand gibt, wurde schnell klar, schließlich sind viele der Kulturvereine und anderen Organisationen schon seit mehr als zehn Jahren aktiv, aber ihre Arbeit wurde bisher noch kaum aufgearbeitet. Mit so einem großen Potenzial an Wissen und einer noch größeren Zahl offener Fragen ging unser Projekt also los …

Und jetzt? Fast sechs Monate sind seit diesem ersten Auftakttreffen vergangen und unzählige Mails und Telefonate später haben wir einen Anfang gemacht, diese Fülle an Expertise einzufangen und aufzubereiten.

In den letzten Monaten haben wir zehn Interviews mit den einzelnen teilnehmenden Expert*innen geführt und dabei über 16 Stunden Videomaterial angesammelt. Die Expert*innen sind in unserem Projekt also sowohl wichtige „Wissenslieferant*innen“ und aber gleichzeitig auch Citizen Scientists.

Das klingt zwar auf den ersten Blick verwirrend, bedeutet aber in der Praxis, dass das Projekt den Rahmen bildet, in dem all das Wissen der Expert*innen zusammenkommen kann: Wie eine Biologin mit ihrem Schmetterlingsnetz Insekten fängt, fangen wir Wissen ein!

Und genauso wie die Biologin sich dann daran macht, nach Markierungen auf dem Tier zu suchen, um es zu bestimmen, suchen wir in den Interviews nach Themenfeldern, die immer wieder auftauchen und es uns so ermöglichen, Gemeinsamkeiten und wichtige Strömungen in den Transkripten zu finden.

In der Sozialwissenschaft nennt man das eine qualitative Inhaltsanalyse und die nutzen wir, um erst einmal ganz grundständige Fragen zu unserem Forschungsfeld zu beantworten. Um in der Metapher zu bleiben, wir wissen noch gar nicht genau, wie groß das Feld ist, auf dem wir mit unserem Schmetterlings-Wissensnetz unterwegs sind.

Was ist diese „Kultur“, die wir anschauen?

Viele der Initiativen bieten ihren Nutzer*innen auch Sportveranstaltungen an. Da müssen wir uns also auf eine gemeinsame Definition einigen.

Was bedeutet „Kulturnutzungsverhalten“ für uns?

Fast alle der in der Wissenschaft bestehenden Modelle zu Kulturnutzungsverhalten betrachten auch den Kaufprozess und die Einflüsse dieser monetären Transaktion auf das Publikum – da die Initiativen, die Kultur- und Sportbesuche aber ja kostenlos vermitteln, müssen wir auch hier ein eigenes Modell entwickeln.

Über welche Barrieren berichten die Nutzer*innen?

Ein geringes Einkommen ist sehr oft verknüpft mit anderen Faktoren, die sich in Barrieren äußern können, seien es körperliche oder geistige Behinderungen oder auch Altersarmut, die im Leben der Nutzer*innen eine größere Rolle spielt. Die Initiativen versuchen nicht nur die finanzielle Barriere überwinden zu helfen, sondern auch andere damit verbundene (also „intersektionale“) Barrieren.

Um diese Fragen gemeinsam klären und damit das Forschungsfeld abstecken zu können, haben meine wissenschaftliche Hilfskraft, Alexandra Kirschsieper, und ich begonnen die 98.700 Worte umfassenden Transkripte der Interviews zu analysieren und haben uns mit unseren ersten Erkenntnissen auch schon wieder in einem Austauschworkshop mit den Initiativen getroffen.

Wie das war und was wir alles herausgefunden haben, dazu hier bald mehr!

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