Nationaler und internationaler Austausch zu kultureller Teilhabe

von Christine Stender M.A.

Die Monate September und Oktober standen ganz im Zeichen von Austausch und Kommunikation. Nachdem wir das Projekt Anfang September bei der Nacht der Wissenschaft vorgestellt haben (hier geht es zum Blog-Beitrag dazu), durfte ich, Christine Stender, unsere Forschungsaktivitäten im Nachgang gleich auf nationaler und internationaler Bühne präsentieren.

© Christine Stender

Am letzten Septemberwochenende fand in Lübeck, auf Einladung der KulturTafel Lübeck, die Jahrestagung meiner Forschungspartner der Bundesvereinigung kulturelle Teilhabe e.V. statt. 14 Initiativen aus ganz Deutschland folgten der Einladung und tauschten sich dort über aktuelle Entwicklungen und auch Herausforderungen, zum Beispiel bzgl. der Energie-Krise und der anstehenden Winterplanung, aus.

© Kristine Goddemeyer

Und auch ich konnte den aktuellen Stand des Projekts präsentieren, mich den Fragen der Teilnehmer*innen stellen und wichtige Inputs mitnehmen. So haben die Mitglieder der Bundesvereinigung beschlossen, den Fragebogen, den wir aktuell im Projekt entwickeln, nicht nur an die zehn direkt am Projekt beteiligten Organisation auszugeben, sondern an alle, die bei der Bundesvereinigung versammelt sind. Damit werden wir mit dem Versand im Frühling 2023 über 100.000 Menschen erreichen. Ein tolles Beispiel für neue Feldzugänge, die durch Citizen Science geschaffen werden, denn alleine hätte ich niemals so viele Menschen im Forschungsprojekt involvieren können!

Und auch im Oktober ging es weiter mit dem Austausch, diesmal jedoch international: Unter der Fragestellung „Kann Kultur die Welt retten?“ kamen beim ersten internationalen Treffen zu kultureller Teilhabe in Esch-sur-Alzette (Luxemburg) Organisationen aus Belgien, Spanien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Finnland, Österreich, der Schweiz, Kanada und Luxemburg zusammen. Alle beteiligten Organisationen ermöglichen durch ihre Arbeit kulturelle Teilhabe und erreichen weltweit rund 3,6 Menschen.

© Milena Velasquez

Spannend war hier, die jeweils nationalen Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten in der Arbeit zu sehen. So war auffällig, dass das in Deutschland weit verbreitete Konzept eines kommunalen „Sozialpasses“, der rabattierten Zugang zu kulturellen Veranstaltungen ermöglicht, ein internationales Alleinstellungsmerkmal ist. Damit lässt sich wohl auch begründen, dass die überwiegende Zahl der anwesenden Organisationen mit einer Art „Kulturpass“ arbeitet, der aus dem zivilgesellschaftlichen Engagement entspringt und die Funktion der Sozialpässe erfüllt und an dieser Stelle eine Brücke zwischen Bevölkerung und Kultur baut. Der Sozialpass in Deutschland wird also von staatlicher Seite ausgestellt, während der Kulturpass mit einem Einkommensnachweis direkt bei den zivilgesellschaftlichen Organisationen beantragt werden kann.

Das „deutsche System“ der persönlichen Kartenvermittlung, wie es bei der Konferenz genannt wurde, geht also aufgrund der Sozialstruktur der Bundesrepublik einen Schritt weiter: Sozialpässe sind in vielen deutschen Städten vorhanden, werden hier jedoch nicht intensiv für den Kulturbesuch genutzt und daher durch das verstärkte Outreach der Initiativen aus der Bundesvereinigung kulturelle Teilhabe ergänzt. Auf der anderen Seite jedoch ist gerade im frankophonen Raum die Idee der „kulturellen Demokratisierung“ weitaus stärker verbreitet: Ziel ist es dort, dass die Bürger*innen durch die aktive Teilhabe an Kultur ihrerseits die Kulturproduktion und Gesellschaft beeinflussen. Ein Konzept, das sicherlich auch für die weitere Forschungsarbeit im Projekt „Kulturelle Teilhabe und Citizen Science“ interessant sein wird.

Alle beteiligten Organisationen arbeiten natürlich je nach Land unterschiedlich, aber es eint sie das Ziel, das Menschenrecht auf kulturelle Teilhabe umzusetzen, Menschen die Möglichkeit zu geben, aktive Kulturnutzer*innen zu sein und mehr Sichtbarkeit für dieses Thema zu schaffen. Der jeweilige lokale Eindruck war jedoch der Gleiche: Zugang zu Kultur und damit auch zu gesellschaftlicher Teilhabe bringt nicht nur individuelle Mehrwerte, sondern unterstützt Menschen dabei, sich kritisch und aktiv mit ihrer Umwelt zu beschäftigen. Das Fazit der Organisationen: Der zivilgesellschaftliche, oftmals ehrenamtliche Einsatz ist ein starkes Zeichen von Zusammenhalt und gelebter Demokratie und zwar nicht nur lokal, sondern auch national und global! Der internationale Austausch spiegelt also die zu prüfende Prämisse des Forschungsprojekts, dass die Arbeit der Institutionen einen aktiven Beitrag zur positiven Veränderung des Kulturnutzungsverhaltens von Menschen mit wenig oder keinem Einkommen leistet und so werden die Forschungsergebnisse nun auch auf internationaler Ebene mit Spannung erwartet. 

Zum krönenden Abschluss gab es eine vielsprachige Konferenz mit Podiumsdiskussion, bei der Ergebnisse des viertägigen Treffens, Ziele für die weitere Zusammenarbeit und auch unser Forschungsprojekt noch einmal einem breiteren Publikum vorgestellt wurden. Ich freue mich, dass ich im Rahmen des Programms zur Kulturhauptstadt Europas Esch 2022 und auf Einladung von Kulturpass.LU in Luxemburg dabei sein durfte und natürlich auch auf die weitere internationale Zusammenarbeit und Vernetzung.  

© Marianne David

Den Stream der Konferenz findet ihr hier (auf Französisch und Englisch).

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