Datenbank deutschsprachiger Moralischer Wochenschriften

Zum Datenbankkonzept

Konzipiert nach dem Vorbild des englischen Prototyps The Spectator (1711–1714) zählen die europaweit verbreiteten Moralischen Wochenschriften nicht nur zu den wichtigsten Katalysatoren aufklärerischen Gedankenguts und neuer, oft langlebiger Diskurse des 18. Jahrhunderts. Sie fungieren auch als Erprobungs- und Diskussionsort für vielfältige neuere literarische und publizistische Schreibweisen und für neue – interaktive – Formen der Kommunikation, die bis ins 21. Jahrhundert hinein gepflegt werden.

In keinem anderen Sprachraum entstanden im 18. Jahrhundert so viele Moralische Wochenschriften wie auf deutschsprachigem und teilweise deutschsprachigem Gebiet. Wolfgang Martens, der in seiner grundlegend Habilitationsschrift sehr restriktiv bei der Zuordnung von Periodika zu dieser Zeitschriftengattung verfährt, listet am Ende seiner Studie über 100 deutschsprachige Moralische Wochenschriften im engeren und über 50 deutschsprachige Moralische Wochenschriften im weiteren Sinne auf (Wolfgang Martens: Die Botschaft der Tugend. Stuttgart 1968, S. 544–550). Die Liste ist indes, wie sich bei neueren Recherchen gezeigt hat, nicht vollständig. Gerade in den katholischen Territorien, an den Rändern des deutschsprachigen Raums und in nicht exklusiv deutschsprachigen Gebieten wären noch etliche weitere Titel zu ergänzen.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts waren die weitaus meisten Wochenschriften nur an wenigen Orten, nämlich in jenen verstreuten Bibliotheken zugänglich, die überlebende Exemplare der jeweiligen Zeitschrift in ihrem Bestand hatten. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Wochenschriften wurde im 20. Jahrhundert in Reprographischen Nachdrucken oder Neueditionen zugänglich gemacht, einige andere ließen sich in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrtausends an einigen der größeren deutschen Forschungsbibliotheken in der unhandlichen Form des Mikrofiches einsehen.

Mit den großen Digitalisierungsanstrengungen der öffentlichen Hand seit Beginn des neuen Jahrtausends scheint die Wochenschriftenforschung dagegen ein Kinderspiel geworden zu sein. Aktuell sind bereits mehrere Dutzend deutschsprachige Wochenschriften in elektronischer Form als open-access-Dokumente für jeden Wissenschaftler weltweit verfügbar, mit denen erstmals ein demokratischer, kostenfreier Zugriff auf eine große Zahl von Moralperiodika ermöglicht wird. Weitere Digitalisierungen stehen kurz vor dem Abschluss. Mit der weit vorangeschrittenen Digitalisierung von Bibliothekskatalogen und ihrer Zusammenführung in Metakatalogen bietet sich außerdem die Möglichkeit, die deutschland-, europa- und weltweite Verfügbarkeit nicht-digitalisierter Wochenschriften online abzufragen.

Dennoch steht die synoptische Wochenschriftenforschung auch heute noch vor nicht unerheblichen Schwierigkeiten. Nach wie vor ist es beispielsweise ein vergleichsweise aufwändiges Unterfangen, sich einen Überblick über die Wochenschriftenbestände in- und ausländischer Bibliotheken und über die mögliche Zugänglichkeit einzelner Moralperiodika im Internet zu verschaffen.

Was bislang fehlte, war eine Übersichtsdatenbank über alle deutschsprachigen Wochenschriften, in der von der Hand erfahrener Forscher verlässlich alle Angaben zur Publikationsgeschichte und heutigen Verfügbarkeit moralischer Wochenschriften, zu deren Verfassern, möglichen Vorläufer- und Folgeprojekten, Rezeptionszeugnissen, inhaltlichen und thematischen Schwerpunkten und Forschungsbeiträgen zusammengetragen werden.

Die vorliegende Open-Access-Datenbank über online-verfügbaren Moralischen Wochenschriften von Jun.-Prof. Misia Sophia Doms (Germanistik) und Pascal Chave (Informationswissenschaft) soll es in Zukunft leichter machen, sich eine Übersicht über die bisher als Digitalisat kostenfrei zugänglichen Wochenschriften und ihre URLs sowie die Signaturen überlebender Exemplare zu verschaffen. Auch werden die Nutzer dieser Datenbank weitere Informationen über den Herausgeber, den Ersterscheinungszeitraum, Format, Seitenzahl, Erscheinungsrhythmus, eventuelle Fortsetzungsprojekte, zeitgenössische Folgeauflagen und spätere Neueditionen sowie über vorhandene Forschungsliteratur erhalten. Die Datenbank ist derzeit allerdings noch ein work in progress. Im Fall künftiger finanzieller Förderung soll sie erstmals einen Überblick über alle deutschsprachigen Moralischen Wochenschriften geben, von denen bis heute Exemplare überlebt haben.

Wir danken dem Strategischen Forschungsfonds und dem ZIM der Universität Düsseldorf für die Förderung bzw. für die Bereitstellung der technischen Ressourcen.

Düsseldorf/Passau, Sommer 2017

Verfasser der Datenbankeinträge (in alphabetischer Reihenfolge)

Introduction

Inspired by the prototype of the magazine genre, the English Spectator (1711–1711), moral weeklies were published all over the European continent during the 18th and early 19th centuries. On the one hand, they can be judged as the most important catalysts for the spreading and popularization of enlightened thoughts and debates. On the other hand, they form an experimental setting for new journalistic and literary writing techniques and new ways of public communication including the mobilization of their readers. The interactive mode of communication initiated by the Spectators is still persistent in today’s internet culture (e.g. in blogs, twitter messages and net literature).

In no other European language area the moral weeklies have been so numerous and successful as in the German-speaking regions, such as the Habsburgian sphere of influence. In his groundbreaking postdoctoral thesis Die Botschaft der Tugend (The message of virtue) Wolfgang Martens has listed more than 100 classical moral weeklies. Moreover he has mentioned about 50 magazines which can be judged as moral weeklies in a wider sense of the word. However, even this Nestor of the research on moral weeklies has not been able to discover all moral weeklies ever published in the German-speaking area: Recent investigations have shown, that on the multilingual margins of this area as well as in Catholic territories several titles have to be added to Martens’ list.

Until the end of the 20th century research activities on the field of the moral weeklies were a very difficult business. As only a small number of these magazines had been reprinted, newly edited or made available in the unhandy form of microfilms and microfiches, effortful research trips to the remaining copies in libraries all over Europe were necessary to work with a large and representative number of magazines.

Today, in the 21st century, the availability of moral weeklies for scholars all over the world has greatly improved because of the digitization efforts of the past years and decades. Currently, several dozens of moral weeklies are available in the form of open access documents in the www, so that scholars from all over the world can democratically participate in the research on the magazine genre. Further digital magazine copies will be finished in the years to come. However, it is not always easy to find all relevant titles within the proliferation of bibliographic information offered by the library catalogues and by the metacatalogues of library networks all over Europe (cf., for on overview of relevant catalogues, the Karlsruhe Virtual Catalogue). When looking for the genre with search terms such as “Moralische Wochenschrift” or “moral weekly”, the catalogue users will be offered only a small fraction of these magazines. Moreover, the searching process is rather intricate and time-consuming, looking up the large number of single hits, which, in rare cases, are even faulty.

The present database, which is designed by Misia Doms (professor of German Studies at the Heinrich-Heine-University of Düsseldorf) and by the information scientist Pascal Chave, aims at improving this situation and at drawing general attention to the new possibilities of research in the field of magazine history and cultural history of Enlightenment. As a work-in-progress the database is for the first time collecting the titles, metadata and further bibliographic information of all moral weeklies in German freely accessible within the world wide web.

Subject to future funding the second step of our work will be the addition of those magazines which have not been digitized so far. This last task will also be undertaken as an effort to initiate further digitization, especially of those numerous magazines which have survived in no more than one or two public libraries. These magazines form a cultural heritage permanently threatened by extinction.

Thanks to the Strategic Research Fonds (University of Düsseldorf) for funding our research and to the ZIM at the University of Düsseldorf for supplying us with technical resources.

Düsseldorf/Passau, Sommer 2017

Contributors to the database (in alphabetical order)