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Ausstellung Kunst und Wissenschaft: Beispiele symbiotischer Verhältnisse

Ausstellung Kunst und Wissenschaft: Beispiele symbiotischer Verhältnisse

Die Ausstellung Kunst und Wissenschaft: Beispiele symbiotischer Verhältnisse fand mit einmonatiger Verlängerung vom 16.11.2017 bis zum 31.1.2018 im Düsseldorfer Haus der Universität am Schadowplatz 14 statt.

Der Bericht über die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Der vorliegende erste Teil enthält die Einladungskarte, den Ausstellungskatalog (der Katalog wird hier im PDF Format zugänglich gemacht), die vom w/k-Herausgeber Peter Tepe am 16.11.2017 gehaltene Begrüßungsrede und Fotos von Karsten Enderlein. Der zweite, als Kurzbeitrag erscheinende Teil verweist demgegenüber auf drei Medienberichte und ein Video zur Ausstellung sowie auf eine Auswahl der bei der Vernissage gemachten Fotos eines anderen Fotografen.

Begrüßungsrede des w/k-Herausgebers

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Leiter des Hauses der Universität Privatdozent Dr. Christoph auf der Horst möchte ich Ihnen die an der Ausstellung Beteiligten vorstellen und das Konzept erläutern. Die Ausstellung Kunst und Wissenschaft: Beispiele symbiotischer Verhältnisse ist eine Kooperation zwischen dem Haus der Universität, vertreten durch Christoph auf der Horst, Jill Praus und Kai Buers, der von Meral Alma geleiteten Kunstakademie.gallery und dem von mir herausgegebenen Online-Journal w/k – Zwischen Wissenschaft und Kunst.

Ich setze beim Titel an. Unter symbiotischen Verhältnissen sind individuelle Verbindungen zwischen Wissenschaft und Kunst zu verstehen. Es gibt sehr viele Verbindungen dieser Art. Sie lassen sich auf drei Grundformen zurückführen:

Die erste Grundform sind Künstler – bei dieser Redeweise sind natürlich immer auch die Künstlerinnen mitgemeint –, die sich in ihrer Arbeit auf Erkenntnisse dieser oder jener Wissenschaft stützen: die wissenschaftsbezogenen Künstler. (Die meisten Künstler arbeiten nicht wissenschaftsbezogen. Dagegen ist natürlich überhaupt nichts einzuwenden, aber der Scheinwerfer der Ausstellungsmacher richtet sich nicht auf sie.)

Die zweite Grundform sind diejenigen Individuen, welche sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch arbeiten – wir bezeichnen sie als Grenzgänger zwischen beiden Bereichen.

Vor dem Hintergrund dieser Unterscheidung wende ich mich nun den Ausstellenden zu. Mit einer Ausnahme sind alle anwesend, und ich bitte nach der Nennung des jeweiligen Namens um einen nach oben ausgestreckten Arm, damit Interessierte Sie identifizieren und später ansprechen können.

Auf der Welt gibt es viele Künstler, die wissenschaftsbezogen vorgehen. (In diesem Zusammenhang sind auch die verschiedenen Kooperationen zwischen Künstlern und Wissenschaftlern  – das ist die dritte Grundform – zu erwähnen.) In dieser Ausstellung ist ein Paradebeispiel vertreten: Der in Düsseldorf lebende Hugo Boguslawski hat in Münster nicht nur Kunst, sondern auch Biologie studiert; er beschäftigt sich intensiv mit Disziplinen wie Paläontologie, Geologie, Evolutionstheorie. Seine im 2. Stock gezeigte strukturelle Malerei nutzt diese Bezüge, orientiert sich z.B. an eigenen Gesteinsfunden, die in einer Vitrine zu sehen sind.

Es gibt noch ein weiteres gutes Beispiel für wissenschaftsbezogene Kunst, das allerdings nur indirekt vertreten ist: Im 3. Stock findet sich ein Schaubild, das auf einen kurz vor der Vernissage erschienenen w/k-Beitrag der in Düsseldorf lebenden Psychologin, Neurowissenschaftlerin und Kunstpublizistin Irene Daum über die Düsseldorfer Künstlerin Barbara Herbert verweist, deren Arbeit ebenfalls durch starke Wissenschaftsbezüge, die aber ganz anderer Art sind, gekennzeichnet ist: Barbara Herbert greift auf Disziplinen wie Psychologie, Pädagogik und Musikwissenschaft zurück. Vor diesem Hintergrund setzt sie sich in neuen Arbeiten kritisch mit Schönheitsvorstellungen der Gegenwart auseinander.

Quantitativ stärker als die wissenschaftsbezogenen Künstler sind in der Ausstellung die ansonsten eher seltenen Grenzgänger zwischen beiden Bereichen vertreten. Markus Schrenk gehört zu ihnen. Er ist Professor für theoretische Philosophie an unserer Universität, aber auch künstlerisch aktiv: Im 1. Stock finden sich zwei Objekte, darunter ein neues, auf ein Werk von Kasimir  Malewitsch anspielendes, das Mittel der konkreten Poesie verwendet.

Der zweite Grenzgänger ist der emeritierte Düsseldorfer Sprachwissenschaftler Professor Volker Beeh. Seit Jahrzehnten ist er auch als Fotograf tätig; er kann auf viele Ausstellungen zurückblicken. 10 seiner Fotos finden Sie im ebenfalls im 1. Stock.

Der 1. Stock wird durch meine Arbeiten komplettiert: Bei mir handelt es sich um einen Philosophen und Literaturwissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität, der eine Zeitlang an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert hat und seit einigen Jahren zur künstlerischen Praxis zurückgekehrt ist.

Während bei den drei angeführten Grenzgängern die wissenschaftliche insgesamt das Übergewicht über die künstlerische Tätigkeit hat, verhält es sich bei Meral Alma umgekehrt. Sie befindet sich in der Endphase des Malereistudiums an der Düsseldorfer Kunstakademie, deren Förderpreis sie zweimal hintereinander erhalten hat, und ist bereits eine sehr erfolgreiche Künstlerin. Zuvor studierte sie an der Heinrich-Heine-Universität Germanistik und Soziologie. Als Grenzgängerin ist sie einzuordnen, weil sie neben ihrer dominierenden künstlerischen Tätigkeit an einer literaturwissenschaftlichen Dissertation arbeitet. Ihre Arbeiten füllen zusammen mit denen Hugo Boguslawskis den 2. Stock.

Ein herausragendes Beispiel für einen Grenzgänger zwischen Wissenschaft und bildender Kunst ist der kürzlich im Alter von 103 Jahren verstorbene Karl Otto Götz – ein Künstler von Weltrang, der jahrzehntelang an der Düsseldorfer Kunstakademie gelehrt hat, ebenso wie seine Ehefrau Rissa. Götz zählt zu den wenigen Künstlern, die über einen längeren Zeitraum eigenständig wissenschaftlich gearbeitet haben oder arbeiten. In enger Zusammenarbeit mit Rissa war er in den 1960er und 1970er Jahren als empirischer Psychologe tätig und hat, mit führenden Psychologen seiner Zeit wie Eysenck und Berlyne kooperierend, Testverfahren zur Ermittlung ästhetischer Kompetenzen entwickelt und praktisch angewandt. Seine sukzessive Erblindung machte tragischerweise eine Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit bereits vor Jahrzehnten unmöglich und erschwerte auch die künstlerische Tätigkeit immer weiter.

Auf dem Bildschirm im Foyer sind (unter anderem) von Götz erarbeitete Bildpaare für den von ihm entwickelten Visual Aesthetic Sensitivity Test zu sehen. In einer Vitrine werden zudem ausgewählte wissenschaftliche Arbeiten von Götz gezeigt, wobei das zusammen mit Rissa verfasste Buch Probleme der Bildästhetik besonders hervorzuheben ist. Das Bildschirm-Programm zeigt einige besonders wichtige künstlerische Arbeiten. Außerdem hat Rissa freundlicherweise zwei Götz-Grafiken für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Das ist noch nicht alles. Im 3. Stock sind fünf Schaubilder ausgestellt, die auf w/k-Beiträge verweisen; drei davon sind erst in den letzten Tagen veröffentlicht worden. Der Philosoph Alexander Becker (ehemals an der Düsseldorfer, jetzt an der Marburger Universität tätig) stellt eine neue These zum Verhältnis von Kunst und Wissenschaft auf und befasst sich in seinem aktuellen Beitrag mit der Frage, ob und wie Wissenschaft in einem Kunstwerk sichtbar werden kann. Die bereits erwähnte Irene Daum informiert in ihrem zweiten Beitrag auf allgemeinverständliche Weise über den Forschungsstand der Psychologie zur Kunst, wobei alle Facetten des Themas berücksichtigt werden. Schließlich gibt der in Düsseldorf lebende w/k-Chefredakteur Moritz Niehues, der an der Heinrich-Heine-Universität studiert hat, eine Einführung in Leonardo da Vinci als Grenzgänger, wobei das Thema „Leonardo als Vorbereiter moderner Wissenschaft und Technik“ besondere Beachtung findet.

Auf allen vier Etagen finden Sie Schaubilder, die Passagen aus w/k-Beiträgen zeigen. Internetkompetente können durch Nutzung des sogenannten QR-Codes, der sich auf jedem Schaubild befindet, bereits während des Ausstellungsbesuchs per Smartphone direkt zu den vollständigen w/k-Beiträgen gelangen. Andere Interessierte werden es vorziehen, sich daheim intensiver damit zu befassen.

Zur didaktischen Komponente des Ausstellungskonzepts gehören darüber hinaus die Vitrinen. Sieht man von Hugo Boguslawskis Gesteinssammlung einmal ab, so werden dort ausgewählte wissenschaftliche Arbeiten der Ausstellenden gezeigt. Sie können sich so ein Bild davon machen, was diejenigen, welche hier künstlerische oder kunstbezogene Arbeiten vorstellen, als Wissenschaftler geleistet haben.

Das Konzept dieser Ausstellung lässt sich aus meinen Erläuterungen erschließen: Ausgewählt worden sind wissenschaftsbezogene Künstler und Grenzgänger sowie sich mit dem Thema „Kunst und Wissenschaft“ beschäftigende Publizisten, die einen engen Bezug zu Düsseldorf haben: zur Universität, zur Akademie, zur Stadt. Das schöne Haus der Universität ist genau der richtige Ort für die Umsetzung dieses Konzepts.

Ich hoffe, dass der Besuch der Ausstellung Ihnen einen Gewinn bringt und dass uns noch erfreuliche Gespräche bevorstehen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Vernissagefotos von Karsten Enderlein

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Weitere Vernissage-Fotos von Karsten Enderlein.

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Beitragsbild über dem Text: Vorderseite der Einladungskarte.

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