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Fragen an die w/k-Redaktion

Fragen an die w/k-Redaktion 1

Fragen an die w/k-Redaktion, die für Nutzer [1] des Online-Journals von Interesse sind, werden in dieser neuen Reihe erstens veröffentlicht und zweitens beantwortet.

Anonyme Frage

Bei der Durchsicht der in w/k gezeigten Kunst stellt sich mir an einigen Stellen die Frage, was das mit Wissenschaft zu tun hat. So kann ich z.B. in Meral Almas Figuren und Tänzerinnen keinerlei wissenschaftliche Herangehensweise erkennen, auch ein nackter Damen-Hintern neben einem Gartenzwerg weist meiner Ansicht nach keinen Bezug zum wissenschaftlichen Forschen auf. Es geht mir hier, um ein Missverständnis zu vermeiden, nicht um eine Kritik an diesen künstlerischen Arbeiten, sondern um das Auswahlkriterium: Weshalb werden im Online-Journal Werke gezeigt und besprochen, die mit Wissenschaft nichts zu tun haben?

Fragen an die w/k-Redaktion

Links: Meral Alma: o.T. (2015). Foto: Meral Alma. Rechts: Rissa: Schneewittchen (1965). Foto: I. Daum.

Antwort des Herausgebers

w/k befasst sich im Bereich Ausstellung und in den beiden anderen  Bereichen mit allen Verbindungen, die es zwischen Wissenschaft und (bildender) Kunst gibt – und darüber hinaus mit einigen anderen Dingen, die in Unser Programm umrissen werden. Es gibt nun zwei Grundformen der individuellen Wissenschaft-Kunst-Verbindung (die kollektiven Verbindungen können hier ausgeklammert werden):

Form 1: Ein Künstler greift zumindest in einigen Arbeiten auf wissenschaftliche Theorien und/oder Methoden und/oder Erkenntnisse zurück; wir sprechen hier von wissenschaftsbezogenen bzw. wissenschaftsbezogen arbeitenden Künstlern. Hier sind aus der w/k-Startrunde Marcus Ahlers, Anna Lena Grau, Mischa Kuball und Detlev van Ravenswaay einzuordnen. In späteren Veröffentlichungen folgten Tinka Bechert, Hugo Boguslawski, Swaantje Güntzel, Barbara Herbert, Ryo Kato und malatsion. Es handelt sich um Kunst, die auf diese oder jene Weise direkt mit Wissenschaft zu tun hat.

Über Grenzgänger

Form 2: Ein Individuum arbeitet sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch; wir sprechen von Grenzgängern zwischen beiden Bereichen. Zu den Beispielen aus der w/k-Startrunde gehören Marcus Ahlers, Meral Alma, Karl Otto Götz/Rissa, Markus Schrenk und Peter Tepe. Gerhard Daum und Leonardo da Vinci sind später hinzugekommen.

Bei den Grenzgängern gibt es wiederum unterschiedliche Konstellationen: Nur einige von ihnen machen durchgängig oder vorrangig wissenschaftsbezogene Kunst (Marcus Ahlers, Gerhard Daum, Markus Schrenk), bei anderen dagegen hat die künstlerische Tätigkeit keinen nennenswerten Bezug zur Wissenschaft (Meral Alma, Karl Otto Götz, Rissa). Peter Tepe nimmt hier eine Zwischenstellung ein: Einige Serien haben einen Wissenschaftsbezug, andere nicht.

Der entscheidende Punkt ist nun: Da die Grenzgänger zu den Verbindungen zwischen Wissenschaft und bildender Kunst gehören, um die es in w/k geht, werden ihre künstlerischen Arbeiten auch dann  präsentiert, wenn  sie keinen Wissenschaftsbezug aufweisen. Meral Alma etwa passt in w/k, weil sie sowohl als Künstlerin als auch als Literaturwissenschaftlerin arbeitet; und für das Online-Journal ist von Interesse, was eine solche Grenzgängerin künstlerisch tut.

Im Interview mit Götz/Rissa ist es demgegenüber um die wissenschaftliche Forschung von Künstlern zu tun; die künstlerischen Arbeiten spielen hier nur eine Nebenrolle. Da beide Grenzgänger sind, wäre in w/k aber auch eine Präsentation ihrer Werke, die nach eigener Auskunft keinen engeren Wissenschaftsbezug aufweisen, zu legitimieren.

Sicherlich wäre auch ein Online-Journal denkbar, das sich exklusiv mit wissenschaftsbezogener Kunst – oder noch spezieller z.B. nur mit BioArt oder mit Space Art – beschäftigt, aber das wäre ein anderes Konzept. Einigen Redakteuren ist die Präsentation und Untersuchung von Grenzgängern, als deren Urvater Leonardo da Vinci gelten kann, ein besonderes Anliegen. Dazu aber gehört ein Interesse an der künstlerischen Arbeit von Grenzgängern auch dort, wo diese nicht selbst wissenschaftsbezogen ist.

Eine vorläufige Auflistung sämtlicher Verbindungen zwischen den beiden Bereichen findet sich in Verbindungen zwischen Wissenschaft und (bildender) Kunst.

Beitragsbild über dem Text: Peter Tepe: Fragezeichen im Dreieck (2017). Foto: Moritz Niehues. Mischtechnik auf Papier, 20 x 30 cm.

[1] Mitzudenken sind stets die Nutzerinnen. Das gilt auch für alle vergleichbaren Formulierungen.

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