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Großthema „Kunst und Wissenschaft“

„Kunst und Wissenschaft“ in anderen Medien 1

Vorbemerkung des Herausgebers

Stefan Oehm sucht seit einiger Zeit in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen, im Internet nach Beiträgen, die sich dem Großthema „Kunst und Wissenschaft“ zuordnen lassen. Seine ersten 15 Funde stellt er hier vor. Die Hinweise sind nach dem folgenden Muster aufgebaut: Autor – Titel – Ort der Veröffentlichung – Tag des Erscheinens, Link auf die Publikation, Kurzdarstellung des Beitrags. Die Zeitungsartikel sind in der Reihenfolge des Erscheinens geordnet, die Hinweise auf Ausstellungen hingegen in der Reihenfolge des Starts der Ausstellungen.

Die w/k-Nutzer werden um Mitwirkung gebeten: Wenn Sie auf weitere Kunst-und-Wissenschaft-Beiträge stoßen, so wenden Sie sich bitte an: stefan.oehm@betriebsbereit.de. Ihr Hinweis wird dann in der nächsten Runde dieser Reihe unter Nennung Ihres Namens veröffentlicht.

Die Funde

Dark Matter: Kunst trifft Wissenschaft beim Forschungszentrum DESY, Pressemitteilung, 15. September 2017:
www.desy.de/aktuelles/news_suche/index_ger.html?openDirectAnchor=1273&two_columns=1
https://artmeetsscience.desy.de/1_dark_matter/idee

Die geheimnisvolle Dunkle Materie, nicht sichtbar, unbekannter Natur, bislang nur postuliert, nie direkt nachgewiesen – und vom 13. Oktober bis 09. November 2017 Thema einer Ausstellung der besonderen Art auf dem Forschungsgelände des Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY): 15 Künstlerinnen und Künstler standen über Monate im intensiven Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit Dunkler Materie beschäftigen. Und setzten ihre künstlerischen Ergebnisse in Malerei, Grafik, Fotografie und Film, Skulptur, Installation, Intervention bis zu Sound und Multimedia um.

Rainer Kurlemann: Kunst als Kopfsache, Rheinische Post, 06. Oktober 2017:
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/kultur/kunst-als-kopfsache-aid-1.7125897
https://de.wikipedia.org/wiki/Adalbert_Hoesle

Bilder mit dem Kopf malen, allein mit der Kraft der Gedanken den Pinsel führen? Der Künstler Adalbert Hoesle ist diesen grenzgängerischen Weg zwischen Kunst und Wissenschaft gegangen, hat eine Schnittstelle zwischen unserem Gehirn und dem Computer, der Veränderungen im Elektroenzephalografie (EEG) als Signal zum Malen versteht, geschaffen. Und lässt so die Kunst zum mentalen Ereignis werden. Eine Evokation neuer Wege der Malerei – wie auch der Medizin als Hilfe für Amyotrophe Lateralsklerose-Patienten (ALS-Krankheit).

Annette Bosetti: Donnerwetter! Rheinische Post, 14. Oktober 2017:
http://www.rp-online.de/kultur/donnerwetter-aid-1.7140737
http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/wetterbericht.html

Das Staunen, so der Literaturwissenschaftler Stefan Matuschek, wird „auf neue Weise […] zur Voraussetzung von Erkenntnis: Es ist die Bereitschaft, die Fähigkeit, sich durch Fremdes aus dem Konzept bringen zu lassen“.  Dieses Staunen war ständiger Begleiter in dieser Ausstellung, die vom 07. Oktober 2017 bis 04. März 2018 in der Bundeskunsthalle Bonn gezeigt wurde. Ein riesige Wunderkammer, wie die Autorin der Rheinischen Post, Annette Bosetti, befand, „die aus künstlerischer, kulturgeschichtlicher und wissenschaftlicher Sicht einen überraschenden Zugang zum Thema Wetter“ geboten hat.

Open Codes: Leben in digitalen Welten, Presseinfo ZKM, Oktober 2017:
https://open-codes.zkm.de/de

Leibniz‘ Binärcode. Morsecode. Kosmischer Code. Genetischer Code. Codes prägen unsere Welt.  „Die Ausstellung präsentiert Kunstwerke und wissenschaftliche Arbeiten, die sowohl auf analogen wie auch auf digitalen Codes basieren. Sie versuchen die komplexen Dynamiken von Codes zu erklären und wie diese zunehmend die Art und Weise, wie wir leben und wie wir die Welt sehen, gestalten.“ Kunst und Wissenschaft zeigen sich in einem neuen Ausstellungsformat und eröffnen uns gemeinsam, jede Disziplin auf ihre Art, neue Möglichkeiten, diese Welt zu verstehen. (Ausstellung läuft vom 20. Oktober 2017 bis zum 05. August 2018, Eintritt frei.)

Afro-Tech and the Future of Re-Invention: Homepage HMKV (Hartware MedienKunstVerein):
https://www.hmkv.de/programm/programmpunkte/2017/Ausstellungen/2017_AFR.php

Wenn es nicht gerade um brisante aktuelle Themen wie Klimawandel und Migration geht, ist Afrika für die meisten ein weißer Fleck auf der Landkarte. Terra incognita. Insbesondere, was die aktuelle Kunstszene betrifft. Die Ausstellung des HMKV (Hartware MedienKunstVerein) in Kooperation mit Interkultur Ruhr Afro-Tech and the Future of Re-Invention im Dortmunder U, an der 32 KünstlerInnen und Tech-Projekte aus 22 Ländern teilnehmen, wirkt dem entgegen. Sie stellt in einer doppelten Verfremdung eine Verbindung zwischen Afrofuturismus und alternativen technologischen Energien und Imaginationen her: Während die künstlerischen Arbeiten dezidiert afrikanische und diasporische Science-Fiction-Narrative entwerfen, erscheinen die realen Erfindungen als Beweise einer bereits begonnenen technologischen Entwicklung. (Ausstellung Dortmunder U | Ebene 3 | 21. Oktober 2017 – 22. April 2018).

BLUR – 6 Miniaturen zur Unschärfe, Infos: Homepage theater-51grad, 2017:
http://www.theater-51grad.com/index.php/blur

Wir erleben es heute wieder: Der Mensch sehnt sich nach klar definierten Grenzen und klaren Verhältnissen. Unschärfen verunsichern ihn. Ein aktuelles Thema, das in der theatralen Musik-Skulptur BLUR – 6 Miniaturen zur Unschärfe künstlerisch aufgegriffen wird. Ausgangspunkt waren die Thesen zur Quantenmechanik, mit denen 1927 der gerade mal 26-jährige Werner Heisenberg das schön geordnete Weltbild der Physik ins Chaos stürzte – insbesondere die nach ihm benannte Unschärferelation. In einer experimentellen Werkreihe, angesiedelt zwischen Musik, Videokunst, Theater und Performance, werden wissenschaftliche Essays inszeniert. (Die Miniaturen werden aktuell in einer Virtual Reality-Installation umgesetzt. Geplanter Aufführungstermin ist Herbst 2018.)

Marion Meyer: Wie Tänzer Mathe erklären, Rheinische Post, 10. Januar 2018:
http://www.rp-online.de/panorama/wissen/wie-taenzer-mathe-erklaeren-aid-1.7310875
http://www.tanzweb.org/wuppertal/news-wuppertal/am-anfang-war-das-chaos

Eine auf den ersten Blick recht seltsame Allianz, die sich da gebildet hat. Da trifft eine Mathematikprofessorin, Fachbereich Stochastik – lateinisch ars conjectandi, die Kunst des Vermutens – auf einen Tänzer und Choreographen. Beide setzen „die Theorien des österreichischen Physikers und Philosophen Ludwig Eduard Boltzmann (1844–1906) in szenische Bilder“ um. Was wie der Plot eines verschollenen Romans von Umberto Eco klingt, haben Barbara Rüdiger und Jean Laurent Sasportes am 12. und 13. Januar 2018 im Rahmen eines Wuppertaler Ballett-Projekts unter dem Titel Am Anfang war das Chaos auf die Bühne gebracht.

Slavs and Tatars: Saalbadereien / Bathhouse Quackeries, Infos: Homepage Westfälischer Kunstverein:
http://www.westfaelischer-kunstverein.de/ausstellungen/aktuell/slavs-and-tatars

Das Künstlerkollektiv Slavs and Tatars spürt virulente gesellschaftliche Themen auf, denen es, gespeist aus Popkultur-Stilmitteln, spirituellen und esoterischen Traditionen, mündlichen Überlieferungen, modernen Mythen, aber auch streng wissenschaftlicher Analyse, neue Wege eines zeitgenössischen Diskurses bahnt. Im Westfälischen Kunstverein Münster setzt es sich mit dem Königsberger Schriftsteller und Philosophen Johann Georg Hamann auseinander, der 1788 in Münster starb. In der aktuellen Krise der Moderne rückt die Ausstellung Saalbadereien (der Vater Hamanns war Salbader vulgo Quacksalber – also ein Bader, der als zünftiger Handwerker einen Heilberuf ausübte) Sprache und Performativität in den Mittelpunkt als Instrumente, um die Grenzen der Vernunft besser zu verstehen. (Ausstellung läuft vom 3. Februar bis 15. April 2018 im Westfälischen Kunstverein Münster.)

I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt, Presseinfo Frankfurter Kunstverein:
https://www.fkv.de/de/content/er%C3%B6ffnung-i-am-here-learn-zur-maschinellen-interpretation-der-welt

Das Lernen lernen. Was ein wenig nach pädagogischer Früherziehung klingt, bekommt in der Gruppenausstellung I am here to learn im Frankfurter Kunstverein eine visionäre Note. Galten Wahrnehmung, aktive Interpretation und Handlungsautonomie gestern noch als ureigene menschliche Qualitäten, gehören sie heute dank selbst lernender Algorithmen und Künstlicher Intelligenz (KI) zur maschinellen Kompetenz. Hat solch ein künstlicher Agent ein Bewusstsein? Kann er einen eigenen Standpunkt vertreten? Wie viel Autonomie kann und darf er haben? Fragen, die internationale KünstlerInnen in ihren Werken thematisieren. (Ausstellung lief vom 14. Februar – 08. April 2018.)

Blind Faith: Zeitgenössische Kunst zwischen Intuition und Reflexion, Presseinfo Haus der Kunst München:
https://hausderkunst.de/ausstellungen/blind-faith-zeitgenoessische-kunst-zwischen-intuition-und-reflexion
http://www.sueddeutsche.de/kultur/blind-faith-im-muenchner-haus-der-kunst-leute-wir-koennen-so-heiss-sein-1.3888407?reduced=true

„Im Gruselkabinett der Post-Millennials“, so die Journalistin Catrin Lorch in der Süddeutschen Zeitung, stößt das Münchner Haus der Kunst dort „auf bittere Wahrheit“, wo sich in heutigen Gesellschaften doch eigentlich blindes Vertrauen in die modernen Technologien breit machen soll. „Die Gegenwartskunst“, verlautet es im Pressetext, „reagiert auf diese Tendenz, indem sie sich intensiv mit Körper und Geist beschäftigt: mit dem Viszeralen [den Eingeweiden] und dem Kognitiven.“ Genauer gesagt: 28 international aufstrebende KünstlerInnen, die mit künstlerischen Mitteln die Konzepte von Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Meinung und Glauben beleuchten. (Ausstellung läuft vom 02. März 2018 bis 19. August 2018.)

∃B:∀A: ¬(A∈B) – freedom explained logically, Infos: Homepage Weltkunstzimmer:
https://weltkunstzimmer.de/de/details/article//ausstellung.html

Was passiert, wenn im Rahmen eines kollaborativen Projekts die Grenzen und klassischen Rollenverteilungen zwischen Künstlern, Kuratoren und Kunstwerken aufgebrochen werden? Dieser Frage stellen sich in performativer Herangehensweise Studierende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Kunstakademie Düsseldorf und der Sint Lucas School of Arts Antwerpen im WELTKUNSTZIMMER, das als Plattform und Ort der Symbiose fungiert, an dem gemeinsam gelebt, gearbeitet und präsentiert wird. Konzeptionelle Basis der Ausstellung ∃B:∀A: ¬(A∈B) ist ein Manifest, das auf der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre (einer axiomatischen Mengenlehre, die heute Grundlage aller Zweige der Mathematik ist) aufbaut. (Ausstellung läuft vom 23. März – 20. August 2018. Im Anschluss wird die Ausstellung in Antwerpen vom 28.04. – 12.05.2018 in der Sint Laurentius Church, Markgravelei 93 zu sehen sein.)

Dagmar Haas-Pilwat: Die Quallen-Forscherin, Rheinische Post, 04. April 2018:
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/die-quallen-forscherin-aid-1.7492771

Qualleninstitut nennt die Düsseldorfer Literatur- und Theaterwissenschaftlerin Verena Meis ihr 2015 gemeinsam mit der Medien- und Kulturwissenschaftlerin Kathrin Dreckmann gegründetes Projekt, das das Glibberwesen als „Denk-, Sound- und Bewegungsfigur in Medien, Kunst und Wissenschaft“ begreift und es bewusst „zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Praxis verortet“. In enger Kooperation mit bildenden Künstlern, Komponisten und Choreographen werden die Medusen, wie zuletzt anlässlich der Düsseldorfer Nacht der Museen 2018 im Foyer des FFT-Forum Freies Theater, in audiovisuellen Installationen klanglich und körperlich thematisiert – sie dienen ihr als Medium zwischen Menschen und digitalem Raum wie auch als choreographische Figur und ökologischer Seismograph.

Kunstwettbewerb Art of Engineering: Homepage VDI nachrichten:
https://www.vdi-nachrichten.com/Karriere/Kunst-Wissenschaft-vereint

Kunst und Wissenschaft waren nie Antipoden. Im Gegenteil: Bereits in der Antike begegneten sich beide Professionen in der téchne. Und finden auch heute in der Gestalt disziplinärer Grenzgänger immer wieder zusammen. Nicht zuletzt, um auf die Entwicklungen der Zukunft zu reagieren. Vor Jahren bereits für das Unternehmen Ferchau Engineering der Anlass, den interdisziplinären Kunstwettbewerb Art of Engineering auszuschreiben, der dieses Jahr unter dem Motto binär.bewegt – Symbiosen von IT und Mobilität stand. „Es ist ein gängiges Vorurteil, dass Kunst und Wissenschaft sich als Disziplinen gegenseitig ausschließen. Mit Art of Engineering haben wir bereits mehrfach gezeigt, dass gerade diese Kombination ein ungeheures Innovationspotenzial birgt“, so Frank Ferchau, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.

Ian Cheng: EMISSARIES, Julia Stoschek Collection, Berlin: Info Homepage JSC:
https://www.jsc.berlin/emissaries.html

Der US-amerikanische Künstler Ian Cheng erkundet in der EMISSARIES genannten Trilogie von Live-Simulationen, die auf dem Video-Game-Design und der Kognitionswissenschaft beruht, unsere vergangene und zukünftige kognitive Evolution sowie die ökologischen Bedingungen, das Wesen von Mutationen und unsere Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Diese digitale Welt ist von Charakteren bevölkert, die mit Verhaltensimpulsen programmiert wurden, sich aber auch unter außerweltlichen Umgebungsbedingungen selbst weiterentwickeln können. Narrative Ziele sollen erreicht werden: Die zugrunde liegende Simulation stört jedoch das Vorhaben. Und lenkt es in neue Richtungen. (Laufzeit der Ausstellung: 27. April – 1. Juli 2018.)

Pendoran Vinci: Kunst und künstliche Intelligenz heute, Presseinfo NRW Forum Düsseldorf:
https://www.nrw-forum.de/ausstellungen/pendoran-vinci

Wie interagiert der Mensch mit der Künstlichen Intelligenz KI? Was macht sie mit uns? Wie formt sie unsere Gesellschaft, wie beeinflusst sie unser tägliches Leben, unser Verhalten, unsere sozialen Strukturen? Und welche Rolle spielt sie in der Kunst? Die Ausstellung PENDORAN VINCI. Kunst und künstliche Intelligenz heute präsentiert die Positionen von zwölf zeitgenössischen KünstlerInnen, die die aktuellen Entwicklungen Künstlicher Intelligenz untersuchen. Den Titel der Ausstellung PENDORAN VINCI generierte die KI-basierte Website neuronaming.net (Ausstellung läuft vom 09. Juni bis zum 19. August 2018.)

Beitragsbild über dem Text: Peter Tepe: „Kunst und Wissenschaft“ (2018). Foto: Moritz Niehues. 20 x 30 cm, Kollage auf Papier.

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