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Kunstbezogene Wissenschaft – ein neuer w/k-Bereich

Text: w/k-Redaktion | Bereich: Über w/k

Übersicht: Ein neuer w/k-Bereich wird begründet, der aus zwei Teilen besteht. Im ersten Teil finden sich Einzelstudien zu solchen Wissenschaftlern, die in ihrer Lehre, ihrer Forschung, ihren Fachpublikationen auf künstlerische Konzepte/Methoden/Ergebnisse zurückgreifen. Der zweite Teil umfasst allgemeiner ansetzende Beiträge zu Fragen wie: Welche Formen des Dialogs, des Austauschs zwischen Wissenschaft und Kunst gibt es überhaupt, und welche Ziele werden jeweils verfolgt?

Mit der Begründung des neuen Bereichs Kunstbezogene Wissenschaft verfolgt die Redaktion zwei Ziele: Erstens werden Einzelstudien neuen Typs in das w/k-Programm aufgenommen, und zweitens werden auch allgemeiner ansetzende Beiträge bestimmten Typs, die bislang im Online-Journal keinen klar bestimmten Ort hatten, integriert.

Einzelstudien neuen Typs

Die Beiträge von Künstlern (Bereich 1), die Beiträge über Künstler (Bereich 2) und die Interviews mit Künstlern (Bereich 3) spielen im w/k-Programm von Anfang an eine zentrale Rolle. Es geht hier darum, die bei Künstlern – vorrangig bei bildenden Künstlern – bestehenden individuellen Wissenschaft-Kunst-Verbindungen in Einzelstudien möglichst präzise und umfassend herauszuarbeiten sowie die ihnen zugrundeliegenden künstlerischen Konzepte zu erschließen, um so ein vertieftes Verständnis dieser Kunstformen zu ermöglichen. Im April 2019 wird nun Kunstbezogene Wissenschaft als Bereich 4 hinzugefügt.

Kunstbezogene Wissenschaft – darunter verstehen wir solche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihrer Lehre, ihrer Forschung, ihren Fachpublikationen auf künstlerische Konzepte/Methoden/Ergebnisse zurückgreifen. Der für dieses Thema eingerichtete Bereich wird durch den Aufsatz Vorlesungstheater, der aus der Feder des Herausgebers stammt, inhaltlich zum ersten Mal gefüllt. In den 1990er Jahren setzte Peter Tepe in mehreren Vorlesungen künstlerische Elemente ein. Eine Sonderrolle spielte dabei ein wissenschaftlich-künstlerisches Uni-Fest in 14 Etappen – eine ganze Vorlesung in Theaterform. Darauf geht sein annähernd zeitgleich erscheinender Beitrag im Einzelnen ein, an dieser Stelle soll nur das Konzept des neuen Typs der Einzelstudien näher erläutert werden.

Die These lautet: Denjenigen Individuen, welche in einem weiteren Sinn als wissenschaftsbezogene Künstler bezeichnet werden können, korrespondieren vergleichbare Phänomene bei den Wissenschaftlern, die wir – ebenfalls in einem weiteren Sinne – kunstbezogene Wissenschaftler nennen. Dem Maler, der sich in seiner Arbeit z.B. auf die Quantenphysik bezieht, entspricht der Wissenschaftler, der in seiner universitären Lehre eine bestimmte Kunstform verwendet – der wissenschaftsbezogen arbeitende Künstler ist das Spiegelbild des kunstbezogen vorgehenden Wissenschaftlers.

Ein Hauptziel besteht daher im neuen Bereich 4 darin, bei Wissenschaftlern die vielfältigen individuellen Verbindungen zwischen Wissenschaft und Kunst sowie die dahinterstehenden wissenschaftlichen Konzepte herauszuarbeiten, um so ein vertieftes Verständnis dieser Wissenschaftsformen zu ermöglichen. Wie in den Bereichen 1–3 wird auch in Bereich 4 nach einheitlichen Prinzipien vorgegangen, um vergleichbare Ergebnisse zu erlangen.

Da nicht zu erwarten ist, dass Bereich 4 in näherer Zukunft auf vergleichbare Weise mit Inhalten gefüllt wird wie die Bereiche 1–3, wurde darauf verzichtet, gleich drei neue Bereiche für Einzelstudien zu etablieren, sondern es wird innerhalb von Kunstbezogene Wissenschaft eine Binnendifferenzierung eingeführt: Im Vorspann jedes Artikels dieser Art wird erläutert, ob es sich um einen Beitrag von einem kunstbezogenen Wissenschaftler (Bereich 4a), um einen Beitrag über einen kunstbezogenen Wissenschaftler (Bereich 4b) oder um ein Interview mit einem kunstbezogenen Wissenschaftler (Bereich 4c) handelt.

Sowohl bei den wissenschaftsbezogenen Künstlern i.w.S. als auch bei den kunstbezogenen Wissenschaftlern i.w.S. treten erstens Grenzgänger und zweitens Kooperationen zwischen mindestens einem Künstler und mindestens einem Wissenschaftler auf. Den wissenschaftsbezogenen Künstlern i.e.S., die in ihrer Arbeit auf wissenschaftliche Theorien/Methoden/Ergebnisse zurückgreifen, stehen die kunstbezogenen Wissenschaftler i.e.S. als ihr Spiegelbild gegenüber.

Allgemeine Beiträge neuen Typs

Im neuen Bereich Kunstbezogene Wissenschaft werden auch allgemeiner ansetzende Beiträge bestimmten Typs verortet, die bislang im Online-Journal keinen klar bestimmten Ort hatten. Einen Wissenschaftler, der, um die Ergebnisse seiner Forschung seinen Fachkollegen, den Studierenden oder auch einer breiteren Öffentlichkeit besser vermitteln zu können, mit Künstlern in einem weiteren Sinn des Worts zusammenarbeitet, ordnen wir als besondere Form des kunstbezogenen Wissenschaftlers ein. Von nun an haben auch allgemein gehaltene Texte über solche Wissenschaft-Kunst-Verbindungen in w/k ihren Ort.

In Bereich 4 passen Beiträge, die sich mit Fragen wie den folgenden befassen:

  • Wie kann ein für beide Seiten ertragreicher Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft gelingen, und welche Rahmenbedingungen müssen dafür geschaffen werden?
  • Kann es bei der Kommunikation wissenschaftlicher Forschungsergebnisse sinnvoll sein, auf Kunstformen wie z.B. Theater und Comics sowie auf den Humor als Mittel zurückzugreifen?
  • Welche Formen des Dialogs, des Austauschs zwischen Wissenschaft und Kunst gibt es überhaupt, und welche Ziele werden jeweils verfolgt?
  • Welche Rolle kann die Disziplin Wissenschaftskommunikation beim Zusammenwirken von Kunst und Wissenschaft spielen?
  • Ist es möglich, zwischen Kunst und Wissenschaft eine gemeinsame Sprache zu entwickeln?

Die Redaktion hofft, dass auch der neue Bereich 4 auf das Interesse der Nutzer stößt und dass z.B. Wissenschaftler, die in ihrer Lehre, ihrer Forschung und ihren Publikationen mit künstlerischen Elementen experimentiert haben oder dies weiterhin tun, dazu motiviert werden, über ihre spannenden Erfahrungen zu berichten und das jeweilige Zusammenspiel von Wissenschaft und Kunst zu erläutern.

Beitragsbild über dem Text: Die im Vorlesungstheater verwendeten Masken (1993/94). Foto: Susanne Stemmler.

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